Van der poel attackiert trotz handwunde – flandrien-week startet mit mega-boom
Die Straßen von Harelbeke beben wieder. In zwei Tagen jagt Mathieu van der Poel über die berüchtigten kasseien der E3 Saxo Classic, obwohl seine Hand nach dem Sturz in Sanremo noch anschwillt. Fünf Klassiker in vierzehn Tagen – die Flämische Woche wirft ihre Schatten voraus.

Warum die e3 mehr ist als nur ein testlauf
203 Kilometer, 17 Hellingen, kein Meter Erholung. Die „kleine Ronde“ genannt, doch das ist Marketing. Wer hier mit zitternden Beinen ins Ziel rollt, weiß, wie er in Flandern sieben Tage später durch die Haaghoek fliegen muss. Tom Boonen schaffte das fünfmal. Kein anderer.
Van der Poel hat die letzten beiden Auflagen gewonnen und steht trotz blutendem Fingernagel wieder auf der Startliste. Mads Pedersen und Wout van Aert laufen ebenfalls auf – Letzterer aber nur, wenn seine Reha nach dem Trainingssturz pünktlich abschließt. Die Frage ist nicht, ob sie können, sondern ob sie noch wollen nach 70 Rennkilometern, wenn der Paterberg bei 22 Prozent Steigung die Beine in Feuer auflöst.
UAE wollte Isaac del Toro als Joker nachschieben. Der Mexikaner, frisch gekrönt im Tirreno, bleibt zu Hause. Stattdessen setzt das Team auf Florian Vermeersch, der in Gent-Wevelgem schon Dritter wurde. Tim Wellens‘ Knie lässt kein Risiko zu. Die Entscheidung fiel gestern Abend – und entriss Harelbeke einen der größten Namen.
Die Siegquote sieht derzeit wie ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Van der Poel und Van Aert aus, obwohl Letzterer noch gar nicht startfest ist. Buchmacher zahlen auf beide 3,50 – ein Wert, der verrät, wie offen das Feld ist. Dahinter lauert Jasper Philipsen, der Sprinter, der in diesem Jahr schon zweimal als Klassik-Überlebender triumphierte.
Für die Fans beginnt morgen früh der Marathon: Brügge, Harelbeke, Deinze, Waregem – jedes Kaff verwandelt sich in ein Open-Air-Fest. Die Flämische Woche ist keine Serie, sie ist ein Zustand. Die Straßen riechen nach Bier und Kreide, die Hügel nach Schweiß. Und wenn Sonntag in Oudenaarde die Fahnen fallen, weiß jeder, wer in zwei Wochen in Roubaix die nächste Krone tragen darf.
66 Mal wurde die E3 gefahren, 66 Mal schrie jemand seinen Namen in den Wind. Nummer 67 steht bevor. Die Flandrien-Week läutet ein – mit oder ohne verheilte Hand, mit oder ohne Van Aert. Die kasseien warten, unverbindlich und gnadenlos. Wer hier nicht tritt, verliert mehr als nur ein Rennen.
