Valencia entzaubert sevilla und schmeißt den abstiegs-knast aus dem kopf

Plötzlich sind sie frei. Valencia CF brauste mit einem 0:2-Sieg aus dem Sánchez-Pizjuán, ließ den Abstieg hinter sich wie ein schlechtes Traumfragment und schob sich an die Tabellenspitze des Mittelfelds – genauer: auf Rang elf, sieben Punkte über dem roten Stoff.

Die Zahlen lügen nicht. Zwölf von 18 möglichen Punkten in den letzten sechs Spielen, dabei viermal in Folge gewonnen und dabei kein einziges Gegentor kassiert. Ein Verteidigungsbollwerk, das Carlos Corberán in den vergangenen Wochen aus dem Boden gestampft hat. Levante, Osasuna, Sevilla – alle starren auf Null im Gästeblock.

„Wir haben wie tiere gekämpft“

Hugo Duro, der im Benito-Villamarín den Führungstreffer erzielte, formulierte es so knallhart wie ehrlich: „Wir wussten, dass es ein schwieriges Stadion ist. Die erste Halbzeit war spektakulär, voller Tempo und Pressing. Wir mussten das Gefühl eines schlechten Ergebnisses abschütteln – und haben wie Tiere gekämpft.“

Die Botschaft ist klar: Wer Valencia in dieser Form trifft, findet keine Lücke. Der Klub, der zwischen Januar und Februar noch mit dem Gespenst des Zweitliga-Abstiegs haderte, spielt nun Fußball, der an die europäischen Nächte erinnert. Und ja, Europa ist kein verbotenes Wort mehr im Mestalla.

Duro lässt die Kirche im Dorf, aber er spricht es aus: „Europa? Klar denken wir daran. Aber Worte reichen nicht. Der Platz motscht es uns vor. Wir sind elf Krieger, die jeden Meter umkämpfen. Wenn wir so auftreten, gewinnt man kaum gegen uns.“

Die serie, die den impuls liefert

Die serie, die den impuls liefert

Seit Ende Februar hat Valencia dreimal auswärts gewonnen, zweimal daheim nicht mehr verloren. Die Defensive steht, weil Omar Alderete und Mouctar Diakhaby ihre individuelle Stärke kollektiv einsetzen. José Luis Gayà flankt wie ein Linksfuß-Dirigent, Yunus Musah treibt die Tempoverschärfung. Der Trainer schickt seine Mannschaft mit klaren Zuweisungen auf den Rasen – und die Mannschaft liefert.

Die Fans spüren die Wende. Vor zwei Monaten flatterte noch ein schmuckes Sektmodell des Abstiegs durch die sozialen Netzwerke, heute diskutieren Valencianistas, ob die Conference League zu klein für ihren Klub ist. Das mag selbstironisch klingen, aber genau diese Ironie nährt den Stolz einer Anhängerschaft, die sich monatelang mit Ablösegerüchten und Zwist im Vorstand herumschlagen musste.

Bei 35 Punkten und nur noch neun Spielen ist der Klassenerhalt so gut wie gebucht. Corberán wird nicht laut, aber er weiß: Mit dieser Formkurve kann man nicht nur retten, sondern auch angreifen. Das nächste Duell gegen Valladolid ist bereits am Sonntag. Wer jetzt noch auf die Valencianer trifft, sollte seine Torwart-Handschuhe besser doppelt verstärken.

Der Befreiungsschlag in Sevilla war mehr als drei Punkte. Es war die Zerreißprobe, die beweist: Valencia lebt – und plötzlich darf wieder geträumt werden.