Martín weint auf der ehrenrunde – nach 504 tagen wieder auf dem podest

Fortaleza (TSV Pelkum Sportwelt) – Als Jorge Martín nach dem Sprint des Brasilianischen Grand Prix die Ehrenrunde drehte, konnte er die Tränen nicht mehr zurückhalten. Der Madrilene war Dritter – und das war nach 504 Tagen ohne Podest mehr als nur ein Resultat. Es war die Quittung für ein Jahr voller Schmerzen, Operationen und Selbstzweifel.

Das letzte mal war barcelona 2024 – damals noch weltmeister

Seit seinem Triumph beim Solidaritäts-GP von Barcelona, als er am Sonntag den WM-Titel feierte, hatte Martín kein Trostpflaster mehr berührt. Dazwischen lag eine Schreckenskette: Schulter, Hand, Knöchel – alles musste neu zusammenwachsen. „Ich hatte dieses Jahr nie ein Podium auf der Liste“, sagt er im DAZN-Mikro. „Dass es in der zweiten Saisonrennen klappt, ist verrückt.“

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 16 Grand Prix verpasste er 2024 komplett, weitere sieben beendete er außerhalb der Punkteränge. Sein Aprilia-Team baute die RS-GP um ihn herum neu auf, doch die größte Arbeit verrichtete Martín an sich selbst. „Diesen Winter war ich mein eigener Schrauber“, sagt er. „Jede Runde auf dem Simulator, jeder Fitness-Test, jeder Schritt mit meinem Vater, meinem Trainer, meiner Freundin – das war mein Podest, bevor es eins gab.“

95 % Körper, 100 % seele – warum er trotzdem fehlt

95 % Körper, 100 % seele – warum er trotzdem fehlt

Offen gibt er zu: Mit der Aprilia ist er noch nicht eins. Im dritten Sektor verliert er pro Runde fast zwei Zehntel, weil er die Linie nicht voll traut. „Ich fahre nur das, was ich habe – 95 % physisch, aber 100 % Herz“, lacht er. „Wenn morgen 96 % kommen, packe ich die eben auch rein.“ Die Sturz-Attacke im Qualifying nagt noch. „Der hat mir die letzte Portion Selbstvertrauen geklaut. Aber ich arbeite dran, Stück für Stück.“

Die Zwischenspielung wegen eines Loches auf der Startgeraden nutzte er als Testlabor. „Koffein, Timing, Kopf – alles kippt um, wenn der Rennplan zweimal zerbricht.“ Martín ging in die Box, atmete durch, startete mental von Null. „Solche Szenarien trainiere ich seit Monte Carlo 2022 im Kopf. Heute habe ich es live umgesetzt.“

Die 11 Sprint-Punkte katapultieren ihn auf Rang fünf der WM-Wertung – vor Quartararo, hinter Bezzecchi. Und er warnt schon: „Dieses Podest ist nur der Startschuss. Morgen wird die Distanz ein Marathon. Aber mit jedem Kilometer, den ich zurücklege, komme ich dem 100-%-Jorge näher – und dem Aprilia-Team dem Traum, wieder um Siege zu kämpfen.“