Usa-fans bei wm-debüt: zu brav für die legenden?
Los Angeles – Der WM-Auftakt der USA gegen Paraguay (4:1) war sportlich ein Erfolg, doch in den Köpfen von NFL-Stars Jason und Travis Kelce hallt ein ganz anderes Urteil wider: Die amerikanischen Fans seien schlichtweg zu leise und uninspiriert. Ein Einblick in die ungewöhnliche Kritik und die Forderung nach mehr Feuer auf dem Tribünenrand.
Die „i believe“ – hymne oder lachnummer?
Die Kelce-Brüder, selbst erfahrene Profis und Hosts des Podcasts „New Heights“, ließen ihrer Enttäuschung freien Lauf. Jason Kelce, ehemaliger Center der Philadelphia Eagles, erinnerte sich an ein Länderspiel, bei dem der Schlachtruf „I believe that we can win“ als „der schwächste Schlachtruf, den ich je gehört habe“ verhallte. Die Frage, die ihm durch den Kopf ging, war drastisch: „Wozu sind wir überhaupt hier?“ Seine Worte waren unmissverständlich: „Das ist einfach nur ein beschissener Gesang. Er müsste lauten: ‚Ich glaube, wir können euch fertigmachen.‘“
Travis Kelce, Tight End der Kansas City Chiefs und Super-Bowl-Sieger, stimmte seinem Bruder zu und betonte, dass die amerikanischen Fans zwar eine positive und unterstützende Atmosphäre schufen, diese aber nicht mit der Intensität vergleichbar sei, die man von Fans aus anderen Fußballnationen gewohnt ist. Er brachte das Beispiel Brasiliens ins Spiel, wo die Energie auf den Rängen förmlich knisterte.

Familienfreundlichkeit als hemmschuh?
Das Problem liegt laut den Kelces tief im kulturellen Ansatz des US-amerikanischen Fußballs an. Statt auf Einschüchterung oder Humor setzen US-Fans auf Selbstvertrauen und Ermutigung. Die Gesänge sind familienfreundlich, harmonisch und – wie die Brüder scherzhaft anmerkten – „höflich“. Es fehlt ihnen an der entsprechenden Schärfe, Kreativität und dem nötigen Biss, um die Gegner zu demoralisieren. Anstelle von provokanten Parolen beschränken sich die meisten Fans auf Phrasen wie „USA! USA!“ oder das bereits erwähnte „Ich glaube, wir können gewinnen!“
Die Kritik der Kelces findet Anklang bei vielen Fans. Auf der Plattform X (ehemals Twitter) wurde ein regelrechter Sturm der Entrüstung ausgelöst. Ein Nutzer schrieb: „Unsere europäischen Freunde machen uns mit ihren Gesängen, Jubelrufen und Liedern absolut fertig.“ Ein anderer forderte ein „breiteres Repertoire“ und bemängelte, dass „Sweet Caroline“ und „Star-Spangled Banner“ zwar großartig seien, aber nicht ausreichen, um die Stimmung anzuheizen.
Die WM in deutschland hat gezeigt, wie leidenschaftliche Fangesänge eine Atmosphäre erzeugen können, die Athleten und Zuschauer gleichermaßen mitreißt. Ob die USA aus der Kritik lernen und ihre Fans zu einem lautstärkeren und kreativeren Anfeuern bewegen können, bleibt abzuwarten. Die WM-Reise der USA hat gerade erst begonnen, und die Fans stehen vor der Herausforderung, ihren Beitrag zu einem unvergesslichen Turnier zu leisten – mit mehr als nur einem zaghaften „I believe“.
