Undav rettet nagelsmanns experiment – ghana lässt dfb-stars zittern

Ein Aufschrei ging durch das MHP-Arena, als Deniz Undav in der 87. Minute das Netz zitterte. Der eingewechselte Stürmer küßte den Ball, küßte das Trikot – und rettete der deutschen Nationalmannschaft einen 2:1-Sieg, der lange wie eine Niederlage aussah. Julian Nagelsmanns Testspiel gegen Ghana wurde zur Achterbahn: fulminanter Start, anschließend Selbstzweifel, am Ende doch noch die Erleichterung.

Die Einzelkritik liest sich wie ein Krimi mit offenem Ende. Für Nick Woltemade war der Abend ein Spiegel seines Kluballtags: viel Bewegung, wenig Reward. Zweimal kam er frei, zweimal verzog er. „Das Pech klebt ihm an den Stollen“, murmelte ein Scout auf der Tribüne. Doch wer genau hinsah, sah auch sein unermüdliches Pressing – und genau diese Arbeit dürfte ihn im erweiterten WM-Kader halten.

Nathaniel brown sticht mit tempo und köpfchen

Der 20-jährige Eintracht-Linksverteidiger stand erstmals von Beginn an. Was folgte, war kein Debütantenschock, sondern eine Lehrstunde in moderner Außenbahnarbeit. Zweimal sprintete er Ghana-Konter im Keim erstickt, einmal riss er den Gegner mit 34 km/h ein. „Der Junge hat Turbo statt Nerven“, lobte Nagelsmann später. Für die Qatar-Plane bedeutet das: Thilo Kehrer und Robin Gosens bekommen ernsthafte Konkurrenz.

Joshua Kimmich dirigierte das erste Drittel wie einst Schweinsteiger – mit 73 Ballkontakten und 91 Prozent Passquote. Doch nach der Pause verlor er die Frequenz, seine diagonalen Flanken sprangen nur noch gegen Werbebanner. Die zentrale Frage für den Trainerstab: Wie viel Kreativ darf Kimmich sein, wenn gleichzeitig die Sechser-Sicherheit wackelt?

Tah und schlotterbeck: tore vermissen, tore verhindern

Tah und schlotterbeck: tore vermissen, tore verhindern

Jonathan Tah vergab zwei Kopfballchancen, die ein Innenverteidiger vom FC Bayern verwandelt haben müsste. Gleichwohl stand er in der Defensive so stabil wie ein Fels in der Eifel. Nico Schlotterbeck steckte nach seinem Fatalen-Pass in Minute 17 den Kopf nicht in den Sand, sondern rettete kurz nach Wiederanpfiff auf der Linie. Die Moral der Geschichte: Fehler sind erlaubt, wenn man sie selbst ausbügelt.

Zwischen den Pfosten bekam Alexander Nübel sein Heimspiel – und blieb fast arbeitslos. Beim 0:1 war er chancenlos, weil die Abwehr zu weit aufgerückt war. Dennoch: Mit diesem Auftritt dürfte er Marc-André ter Stegen weiter auf Trapp halten. Die Torhüterfrage bleibt offen wie ein Ellbogen-Tunnel.

Lennart karl macht sich mit assist unsterblich

Lennart karl macht sich mit assist unsterblich

Lennart Karl lieferte den Steilpass auf Undavs Siegtreffer – und lieferte sich nebenbei eine verborgene Werbeveranstaltung für sich selbst. Der Mittelfeldspieler agierte wie ein Konzertflügel: anschlussfähig, klangvoll, immer die richtige Tonlage. Sein Marktwert zog in einer halben Stunde um geschätzte fünf Millionen nach oben. Berater-Kreise wissen: Englische Klubs haben bereits Telefonlisten gezückt.

Die Statistik spricht eine klare Sprache: 16 Torschüsse für Deutschland, nur vier auf das Tor. Die Effizienz war so lausig wie das Aprilwetter in Stuttgart. Dennoch zählt am Ende nur das Resultat. Mit dem Sieg behält Nagelsmann seine Mini-Serie: drei Testspiele, drei Siege, neun Punkte. Der Lauf dürfte reichen, um vor der WM ein paar Experimente zu wagen – und vielleicht auch, um den ein oder anderen Youngster ins Flugzeug nach Mittlerer Osten zu lotsen.

Die Botschaft an die Konkurrenz: Diese DFB-Elf trägt nicht nur neue Namen auf dem Rücken, sondern auch einen neuen Spirit. Wer jetzt noch glaubt, Deutschland komme als leichte Beute zur WM, vergisst: Selbst ein Freundschaftsspiel kann ein Warnschuss sein, der bis in die Nacht hallt.