Undav rettet nagelsmanns gesicht – spät, laut, unverdient

Ein Schlusspfiff, der wie ein Seufzer klang. 2:1 gegen Ghana, und niemand im Stadion wusste, ob er jubeln oder sich verstecken sollte. Deniz Undav hatte die Antwort gesprengt, 88. Minute, ein Aufsetzer aus sieben Metern, Stuttgart explodierte. Doch die Frage blieb: War das ein Sieg oder ein Warnschuss?

Die erste hälfte: ein elfmeter, ein eigentor der logik

Kai Havertz ließ Jonas Adjetey zucken, 45.+3, rechts unten, eiskalt. Davor hatte Stuart Attwell länger gegrübelt als ein Schachcomputer. Handelfmeter, sagte der VAR, und plötzlich war die alte EM-Wut wieder da: derselbe Ref, der im Juli Cucurellas Hand durchgehen ließ, jetzt pfeift er für Deutschland. Die Ironie: Adjetey hatte Glück, dass er nach einem Notbremse-Foul an Wirtz (5.) nur Gelb sah – eigentlich Rot, eigentlich Spielabbruch. Stattdessen stand er noch da, stritt, kassierte, bliebt auf dem Feld. So läuft Fußball, sagten sich alle, und schwiegen.

Zwischen lärm und leere: die wahrheit über 70 minuten

Zwischen lärm und leere: die wahrheit über 70 minuten

Deutschland dominierte wie ein Team, das die Lösung schon kennt, aber das Rätsel vergessen hat. Gnabry schoss drüber, Wirtz traf, aber zu spät, zu weit, Abseits. Die Tribüne sang „Undav, Undav“, als wäre er schon längst im Spiel, doch Nagelsmann wartete, wartete, wartete. Dann kam Fatawu, 70. Minute, links außen, Derrick Köhn legt quer, 1:1, und plötzlich war alles offen wie ein unverschlossenes Tor. Die Analyse ist einfach: Ghana hatte zwei Torschüsse, einer ging rein. Deutschland hatte 17, einer zählte wirklich.

Der joker lacht zuletzt – und der bundestrainer auch

Der joker lacht zuletzt – und der bundestrainer auch

88. Minute: Sané sprintet, sieht, chippt. Undav läuft sich frei, wie ein Boxer, der weiß, dass die rechte Faust kommt. Treffer, Ausbruch, Befreiung. Nagelsmann wedelt ab, wie ein Koch, der das Gericht gerettet hat, obwohl das Salz fehlte. Am 12. Mai wird er 26 Namen nennen; heute hat er einen, der sich selbst geschrieben hat. Die Zahlen: zwei Siege in drei Tagen, sieben Gegentore, trotzdem Platz eins im Kopf. Die Botschaft: Wir gewinnen, auch wenn wir uns hassenswert schlecht anstellen. Und das ist manchmal alles, was zählt.