Ultra zieht var-stecker – münster siegt trotzdem nicht
Es dauerte exakt 4,2 Sekunden, bis der Bildschirm schwarz wurde. In diesen 4,2 Sekunden sprang ein Vermummter über die Bande, riss das Kabel raus, verschwand wieder. Der Schiedsrichter lief, sah nichts, musste sich verlassen – und Katrin Rafalski entschied vom Keller aus: Elfmeter gegen Preußen Münster. So absurd ist die 2. Liga manchmal.
Der Vorfall passt ins Bild eines Tages, an dem der Fußball sich selbst parodierte. Hertha BSC gewann 2:1, doch die eigentliche Hauptrolle spielten Münsters Ultra-Szene und ein Kabel, das einfach nicht in der Dose bleiben wollte. Die Bilder, die die Bild exklusiv veröffentlichte, zeigen den Mann in der Kapuze, wie er sich nach dem Stecker-Ziehen in die Menge fallen lässt. Sekundenbruchteile später lief Felix Bickel zum Monitor – und stand vor einem leeren, schwarzen Loch.
„Dem var den stecker ziehen“ – banner wurde realität
Die Choreografie war perfekt. Noch während Bickel vergeblich auf Pixel wartete, entrollte der Block links ein Tuch mit eben jener Parole. Die Aktion war offenbar lange geplant, nicht ein heißer Impuls. Der SC Preußen Münster kassierte den Strafstoß, Niko Koulis das Gelb, Fabian Reese das 0:1. Jorrit Hendrix lachte später in die Sky-Kamera: „Wenn die Fans so weit gehen, um uns zu helfen, hab ich vollstes Verständnis.“ Der Verein dagegen ruderte zurück: Man bedauere, werde die Täter suchen, Sicherheitskonzepte verschärfen. Die DFB-Schiri GmbH bestätigte den Vorfall auf Anfrage, spricht von „klarer Sabotage“.
Die Ironie: Beim zweiten Anlauf funktionierte die Technik, Rafalski blieb stur. Die Szene, die sie dem Kollegen Bickel zeigen wollte, war ein Foul an Michael Cuisance, klar, unstrittig. Ohne Bild wäre also auch Elfmeter – nur mit mehr Staunen. Die Münsteraner glichen nach der Pause durch Heuer aus, doch Winkler versenkte die Alte Dame in der vierten Minute der Nachspielzeit. Hertha springt auf Tabellenplatz drei, Münster bleibt mitten im Abstiegsstrudel stecken.

Die liga lacht – und fragt, was das nächste mal passiert
Trainer Stefan Leitl sprach von einem „irren Abend“, Kollege Jeff Saibene von „Theater, das wir nicht bestellt haben“. Beide wissen: Die Szene wird Folgen haben. Die DFL wird prüfen, ob künftig Stecker zusätzlich gesichert werden, ob Kameras hinter den Monitoren montet werden, ob das Protokoll angepasst wird. Die 2. Liga gerät immer öfter zur Teststrecke für Dystopien: Spielabbruch wegen Böllern, Spielverlegung wegen Schnee, Spielentscheidung weil jemand das Kabel zieht.
Am Ende zählt für Hertha der Lucky Punch, für Münster das blanke Entsetzen. Die Fans feierten den Ultra auf Twitter mit Spitznamen wie „Störer-Man“ oder „Pull-the-Plug-Paul“. Der aber wird wohl ein Stadionverbot kassieren, und der VAR wird künftig doppelt abgesichert. Die Moral von der Geschicht': Selbst wenn man den Stecker zieht, läuft das Spiel weiter – nur eben gegen einen selbst.
