Fichtners vergessener schuss katapultiert dsv-staffel auf historisches tief
16. Rang – das war vorher nur eine Zahl. Nun ist sie ein Mahnmal. Marlene Fichtner verpasste beim Liegendanschlag einen Nachladeschuss, das Quartett kassierte zwei Strafminuten, und schon steht Kontiolahti für das schlechteste Frauen-Staffel-Ergebnis der deutschen Weltcup-Geschichte.
Die 22-Jährige selbst kann es kaum fassen. „In meinem Kopf war nur: Hauptsache nicht in die Strafrunde“, gesteht sie im ZDF. Dabei hatte sie exakt das Gegenteil ausgelöst. Statt dreimal nachzuladen, drückte sie einmal – und brachte das ganze Team aus dem Takt. Julia Tannheimer, Janina Hettich-Walz und Vanessa Voigt mussten mit ansehen, wie der Vorsprung von 6:35 Minuten auf Schweden zur unüberbrückbaren Kluft wurde.
Die zahlen, die wehtun
Bisher reichten zwei zwölfte Plätze, um deutsche Skijägerinnen zu erschüttern. Jetzt reicht ein einziger Fehlgriff, um die Liste der Negativrekorde zu erweitern. Schweden siegte mit nur vier Fehlschüssen, Frankreich folgte 40,6 Sekunden später, Norwegen landete bei 1:06,8 Minuten Rückstand. Deutschland? 6:35,1 Minuten – ein halbes Rad hinter dem Feld.
Und das, obwohl Fichtner vor dem Staffelrennen noch für Hoffnung sorgte. Platz vier im Massenstart, Rang fünf im Einzel – die Form stimmte, das Selbstvertrauen auch. Doch Sport verzeiht keine Unsicherheit, schon gar nicht auf Weltcup-Niveau.

Drama nummer zwei in nur sechs wochen
Schon Mitte Januar hatte Fichtner einen Staffel-Coup versemmelt. In Nove Mesto lief sie mit Leonhard Pfund auf den Sieg – doch die Disqualifikation wegen fehlender Gewehrschulterung folgte postwendend. Nun also der zweite Einschlag. Das Talent steht plötzlich als Symbol für mangelnde Konstanz, nicht für künftige Medaillen.
Die Saison ist jedoch noch nicht gelaufen. Am Sonntag jagt die Männer-Elite im Massenstart die letzten Punkte, bevor der Zirkus nach Otepää weiterzieht. Für Fichtner heißt es: zurück auf der Loipe, weg vom Kopf. Denn wer zweimal am selben Nagel hängenbleibt, wird zur lebenden Warnung – nicht zur Hoffnungsträgerin.
Die deutsche Skijäger-Staffel muss nun beweisen, dass 16. Plätze Ausnahme bleiben. Sonst wird aus dem historischen Debakel von Kontiolahti bald die neue Normalität.
