Ulbricht jagt nörl und die krone: 0,20 sekunden vom deutschen snowboard-triumph
Zwei Wochen vor dem Finale liegt Leon Ulbricht punktgenau vorne – und die deutsche Snowboard-Szene atmet auf. 21 Jahre, Olympia-Aus nach einem Crash, jetzt ein Punkt Vorsprung im Gesamtweltcup. Der Sport-Soldat aus dem Erzgebirge hat im Montafon erneut bewiesen, dass er nicht nur mitfährt, sondern dominiert.
0,20 Sekunden. So wenig fehlten ihm zum Sieg hinter Österreichs Jakob Dusek. Für Fans klingt das wie ein Wimpernschlag, für Statistiker ist es ein Signal: Ulbricht steht zum vierten Mal in dieser Saison im großen Finale, holt seine dritte Podiumsplatzierung in Folge nach den beiden Top-Two-Plätzen in Erzurum. Die Konkurrenten schauen auf seine Startnummer, nicht umgekehrt.
Die kalkulation: 32 punkte rückstand reichen nicht mehr
Adam Lambert zeigte sich nach dem Rennen sichtlich mitgenommen. Der Neuseeländer, bislang Gesamt-Weltcup-Leader, büßte 32 Zähler ein und muss nun auf einen Fahrfehler von Ulbricht oder Franzosen Aidan Chollet hoffen. Chollet, Olympia-Dritter, liegt punktgleich mit Ulbricht, nur die Zählung der Streichresultate trennt die beiden. Das Finale in Mont-Sainte-Anne am 28. März wird zur offenen Rechnung.
Martin Nörl, der Doppel-Weltcup-Champion von 2022 und 2023, weiß, wie sich der Druck anfühlt. Bei den Winterspielen in Italien räumte er Ulbricht im Viertelfinale ab – allerdings ausgelöst durch Nick Baumgartners Innenbogen-Attacke. Seitdem fragt sich das deutsche Lager: Was wäre gewesen, hätte Ulbricht die Kurve vor Nörl behalten? Die Antwort liefert er jetzt Rennen für Rennen.

Warum montafon nur der auftakt war
Die Strecke in Vorarlberg galt als Rhythmus-Prüfstand, aber Mont-Sainte-Anne verspricht Speed pur: lange Startgerade, enge Holzpassagen, Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Wer dort die richtige Wachs- und Kantenwahl trifft, kann binnen Sekunden zehn Meter gutmachen. Ulbricht hat mit Material-Chef Felix Grüner eine extra Test-Session angekündigt, die Daten fließen direkt in die Finaleinheit.
Deutschland hatte in der Snowboard-Cross-Historie stets Weltklasse-Einzelkämpfer, aber nur selten die Kontinuität für die Kristall-Kugel. Sollte Ulbricht gewinnen, wäre er der jüngste deutsche Gesamtsieger seit Einführung der Disziplin im Weltcup. Das Bundeswehr-Sportförderzentrum in Füssen hat schon den Trainingsplan für die Sommer-Saison umgeschrieben – mit Blick auf die Olympischen Spiele 2030.
Für Fans bleibt einzig die Frage, ob er den Vorsprung verteidigt. Die Antwort lautet: Unwahrscheinlich, aber längst nicht unmöglich. Denn wer nach Olympia-Aus so zurückkommt, kennt keine Angst vor Zahlen, sondern nur vor Tempo 70 auf Schnee.
