Tv bissendorf-holte sichert sich bormann bis 2027 – identität statt abstiegsangst

Der TV Bissendorf-Holte spielt in der 3. Liga Nord-West gegen den Abstieg, doch Dennis Bormann lässt sich nicht beirren. Der 27-jährige Rechtsaußen unterschreibt vorzeitig bis 2027 – ein Bekenntnis, das in der Region Osnabrück selten ist, wenn der Klassenerhalt offen steht.

Bormann bleibt, egal in welcher liga

Seine Verlängerung ist ligaunabhängig. Das heißt: Selbst wenn der TVB-H in die Regionalliga rutscht, läuft Bormanns Vertrag weiter. Für einen Traditionsverein, der aktuell nur zwei Punkte über der Abstiegszone steht, ist das ein Sechser im Lotto. „Ich bin Bissendorfer durch und durch“, sagt Bormann, der alle Jugendmannschaften durchlaufen hat und seit 2018 in der dritten Liga dribbelt.

Die Zahlen sprechen für ihn: 67 Tore in 22 Spielen, Quote 3,0 Treffer pro Partie. Damit liegt er vor Spielern wie Timo Kastening (TV 05/07 Hüttenberg) oder Maximilian Janke (HSG Nordhorn-Lingen), die mit besseren Mittelfeld-Blocks arbeiten. Bormanns Speed kommt nicht vom kalten Buffet: Er trainiert seit 14 Jahren im eigenen Parkour, sprintet auf Waldwegen zwischen Bramsche und Bissendorf, zieht mit 34 km/h über die Außenbahn – gemessen mit GPS-Armband, versteht sich.

Jan Thaler, sportlicher Leiter, nennt ihn „absolute Konstante“. Gemeint ist: Bormann trifft, auch wenn das Team mal mit 23:29 in Münster untergeht. Er macht seine Siebenmeter, springt in die Phalanx, klaut Bälle – 22 Steals hat er in dieser Saison schon gesammelt. Das ist mehr als jeder andere Außenspieler im aktuellen Kader.

Warum der verzicht auf eine ausstiegsklausel mut macht

Warum der verzicht auf eine ausstiegsklausel mut macht

Handballer kennen das Spiel: Bei drohendem Abstieg aktivieren Profis die Hintertür. Bormann nicht. Er verzichtet auf eine Klausel, die ihm einen kostenlosen Wegzug bei Ligawechsel erlaubt hätte. Stattdessen akzeptiert er Gehaltsverzicht und einen Bonus, der erst bei Klassenerhalt fällig wird. „Ich will mit diesen Jungs wieder nach oben“, sagt er und meint nicht nur die Tabelle, sondern die Stimmung im Kabinengang, die seit der 26:32-Pleite gegen Altenholz schwankt.

Für Thaler ist das Signal wichtiger als jeder Neuzugang: „Wenn dein bester Scorer bleibt, folgen andere.“ Tatsächlich stehen jetzt Gespräche mit Kreisläufer Lukas Middelberg und Rückraumshüne Jannik Kleine-Held forthcoming. Der TVB-H-Budgetplan sieht vor: 40 Prozent der Gehaltssumme fließt in die eigene Jugend, 25 Prozent in Leistungsprämien, 15 Prozent in medizinische Betreuung. Bormanns Verzicht schafft Luft für einen Backup auf der Linksaußen-Position, wo derzeit nur der 19-jährige Finn-Ole Jakobs dribbelt.

Die Fans reagieren mit Szenenapplaus. 320 Dauerkarten sind bereits für die Restrunde verkauft – mehr als im Vorjahr, als der TVB-H noch auf Platz sieben stand. Im Fan-Shop läuft die Bormann-Shirt-Kampagne: „Bleibt hellgrün, bleibt Bissendorf“ steht auf den Shirts, die in vier Tagen ausverkauft waren. Die Einnahmen fließen direkt in die Liquiditätsreserve, die bei drohendem Abstieg 180.000 Euro betragen muss, um die Lizenz zu sichern.

Am Samstag kommt der VfL Hameln, Tabellenvierter, in die Sporthalle an der Hase. Bormann hat schon vier Tore gegen die Niedersachsen erzielt, alle in Tempogegenstößen. Wenn er trifft, schreit die Halle „Bormann, Bormann“, ein Sprechchor, der selbst Gegner wie Torhüter Mats Höcker aus der Ruhe bringt. Bei einem Sieg wäre der TVB-H auf Relegationsplatz 14, bei einer Niederlage rutscht man auf Platz 17 – direkt in den roten Bereich.

Bormann selbst trainiert schon am Feiertag. Kein Wunder, er will in zwei Jahren nicht in der Regionalliga stehen, sondern mit Bissendorf-Holte in die 2. Liga aufsteigen. Der Plan steht: 2026 Nachwuchszentrum eröffnen, 2027 neue Halle mit 2.500 Plätzen, 2028 Zweitliga-Aufstieg. Wer bis 2027 unterschreibt, unterschreibt auch für dieses Ziel. Die Vertragslaufzeit ist kein Zufall – sie endet mit dem geplanten Umzug in die Multifunktionsarena.

Die Liga schaut auf Bissendorf. Für den TVB-H ist Bormann nicht nur Rechtsaußen, sondern Leitfigur. Wenn er bleibt, bleibt die Hoffnung – und die Hoffnung heißt momentan: Klassenerhalt, dann Angriff auf die Zweite Liga. Die Tore werden weiter fallen. Die Frage ist nur, auf welchem Parkett.