Tottenham zerlegt sich in 22 minuten – tudor steht mit rücken zur wand

Madrid – 22 Minuten reichten, um eine ganze Saison zu beerdigen. Tottenham lief im Wanda Metropolitano nicht nur gegen Atlético einem 2:5 entgegen, sondern lieferte eine Selbstzerfleischung ab, wie sie selbst im wüsten Londoner Regen nicht hätte irrwitziger sein können. Bereits nach 17 Minuten musste Trainer Igor Tudor seinen auf 19 Jahre jungen Torhüter Anton Kinsky unter Tränen wieder runterziehen – zwei Bollwerks-Patzer hatten das CL-Debüt in eine Tragödie verwandelt.

Kinsky-panik setzt kettenreaktion in gang

Der Tscheche wollte den Ball kurz spielen, traf ihn nicht, stolperte, sah ihn ins Netz rollen. Drei Minuten später wiederholte sich das Déjà-vu – nur schlimmer. Die Rote Laterne der Spurs war entzündet, Atlético schaltete auf Tor-Modus. 0:4 stand es nach 22 Minuten, selbst Diego Simeone schüttelte ungläubig den Kopf. Die Spurs-Fans, 3.000 Stück in weiß-Blau, verstummten, als hätte jemand den Stecker gezogen.

Ex-Profi Jamie O’Hara brüllte bei TalkSport live ins Mikro: „Ich schäme mich, dieses Trikot zu tragen.“ Die Wut des ehemaligen Mittelfeldstrategen traf den Nagel auf den Kopf: Es war keine Niederlage mehr, es war ein kollektives Blackout. Jeder Pass ein Risiko, jeder Zweikampf eine Glanzparade für Atlético – und das, obwohl Tudor erst vier Pflichtspiele auf der Bank sitzt.

Englische presse redet von „kernschmelze“

Englische presse redet von „kernschmelze“

Die Schlagzeilen in London schmecken nach Gallen. Daily Mail: „Tudor steht mit dem Rücken zur Wand – das war die dümmste Viertelstunde der Klub-Historie.“ The Guardian attestiert „Selbstzerstörung in Echtzeit“ und zieht den Vergleich zu einem Atomreaktor ohne Kühlwasser. ESPN warnt vor dem Abstiegskampf in der Premier League: „Wenn sie so weiterspielen, drogt der Klassenerhalt zur Nebensache.“

Die Zahlen sind gnadenlos: 0,9 erwartete Tore in den ersten 30 Minuten für Atlético – kassiert wurden fünf. Spurs-Kapitän Cristian Romero sprach von „demütigend“, doch Demut hilft nicht, wenn das Rückspiel in drei Wochen ansteht und die Mannschaft schon jetzt psychisch am Boden liegt.

Tudor hat 90 minuten, um die saison zu retten

Tudor hat 90 minuten, um die saison zu retten

Der Kroate hatte vor dem Spiel noch von „Mentalität“ und „Kampf“ geschwärmt. Nach dem Abpfiff wirkte er, als hätte ihm jemand die Schuhe geklaut. „Wir werden analysieren“ – mehr brachte er nicht heraus. Intern kursiert, dass die Kabine in zwei Lager gespalten ist: Die eine Hälfte will sofort Tudor loswerden, die andere fürchtet den zweiten Trainerwechsel innerhalb eines halben Jahres.

Daniel Levy, der umstrittene Chairman, soll schon am Flughafen Barajas mit Beraterfirmen telefoniert haben. Die Kalkulation: Ein neuer Coach kostet Ablöse, aber das Ausscheiden aus der Champions League plus drohender Premier-League-Abstieg kostet 150 Millionen Pfund. Die Rechnung ist schnell gemacht.

Am Sonntag gastiert Tottenham bei Fulham. Schon ein Punktverlust könnte den Abstiegsreigen einläuten. Tudor hat 90 Minuten Zeit, um seine Zukunft zu retten – oder den Klub in die zweite Liga zu lotsen. Die Uhr tickt lauter als die Tottenham-Fans singen konnten.