Capello zerlegt palladino live: „12 bayern-spiele gesehen? dann habt ihr sie wohl verkehrt analysiert“

Was sich der Atalanta-Coach Raffaele Palladino nach dem 1:6 gegen Bayern München in der Champions-League-Achtelfinal-Hinspiel erhofft hatte, war ein Gespräch über Taktik und Moral. Was er bekam, war ein verbaler Bodycheck durch Fabio Capello live im Sky-Studio.

„Ihr habt sie studiert – oder etwa nicht?“

Capello ließ keine Sekunde Verlegenheit aufkommen. „Palladino, Sie sagten, Sie hätten zwölf Spiele des FC Bayern analysiert. Was genau haben Sie gesehen? Denn das, was heute auf dem Platz stand, sah nicht nach Vorbereitung aus, sondern nach einem Blackout.“ Die Kamera zoomte auf den Coach, der sichtlich nach Worten rang. „Mister, auf dem Platz zählen die Werte“, entgegnete er, mit einem Lächeln, das mehr Grimasse war.

Doch Capello, der ehemalige Real- und Milan-Trainer, legte nach: „Wenn Sie Mann gegen Mann spielen und die individuelle Klasse nicht auf Ihrer Seite ist, schwächen Sie die gesamte Mannschaft. Heute haben Sie den Bayern das Spiel geliefert, statt es ihnen zu nehmen.“

De roon liefert selbstkritik – und widerspricht seinem coach

De roon liefert selbstkritik – und widerspricht seinem coach

Marten de Roon, Mittelfeldanker der Dea, unterschrieb das Urteil nicht auf dem Zettel, sondern mit einem Seitenhieb gegen die eigene Marschroute. „Wir wollten sie pressen, nach vorne spielen, uns nicht verstecken. Vielleicht war das der Fehler. Wenn du gegen Bayern zu offensiv agierst, bestrafen sie dich mit jeder Sekunde, in der du nicht in Position bist.“

Die Zahlen sind gnadenlos: 17:4 Torschüsse, 66 Prozent Ballbesitz für die Münchner, 1.090 Pässe – fast doppelt so viele wie Atalanta. Die Statistik spricht eine Sprache, die kein Trainer dementieren kann.

Gewinner und lehrlinge

Gewinner und lehrlinge

Bayern-Trainer Vincent Kompany lächelt im Interview: „Wir haben erwartet, dass Atalanta aggressiv startet. Ihr Risiko wurde zu unserem Vorteil. Wir haben die Räume genutzt, bevor sie sich schließen konnten.“ Kein Schulterzucken, keine Arroganz – nur die nüchterne Analyse eines Siegers, der weiß, dass das Rückspiel trotz 6:1 erst in zwei Wochen steigt.

Palladino verspricht, dass sich nichts an der Spielphilosophie ändern wird. „Wir werden nicht in eine tiefe Zone kriechen. Wer so denkt, kennt mich nicht.“ Es klingt nach Stolz, aber auch nach Selbstüberschätzung. Denn die Champions League vergeigt man nicht mit Lebensstil, sondern mit Resultaten.

Capello hatte das letzte Wort – und es war ein Satz, der in Mailand bis zum Rückspiel nachhallen wird: „Mut ist gut, Torhüter sind besser.“ Atalanta hat zwei Wochen Zeit, diese Lektüre umzuschreiben. Ansonsten fliegt die Dea früh aus dem Wettbewerb, den sie einst ins Herz der Fans hob.