Tien fordert sinner im wüstenfinale – und bringt eine legende mit
Indian Wells – ein Heimspiel für den Mann, der Jannik Sinner am Freitag um 21 Uhr deutscher Zeit herausfordert. Learner Tien, 20 Jahre, Weltranglisten-71., trägt das Turnier im Blut, den Linkshänder in der Schlägerhand. Er trainiert mit Michael Chang, dem Ex-French-Open-Sieger, der ihn seit zwölf Monaten formt. „Ich wachse mit jedem Match gegen die Besten“, sagt Tien vor dem Viertelfinale. „Chang lehrt mich, ruhig zu bleiben, wenn die Geschwindigkeit zunimmt.“
Chang steckt seine handschrift in tiens aufschlag
Der Coach ließ den Aufschlag neu aufsetzen: mehr Kick, höherer Eintritt, besserer Winkel. Ergebnis: 73 Prozent erste Bälle in der dritten Runde gegen Sebastian Korda. Die Statistik liegt auf dem Laptop des Teams, aber die Mentalität steckt im Kopf. „Michael sagt: ‚Wenn du zögerst, frisst dich Sinner in zwei Sätzen‘“, erzählt Tien. Die stählerne Art, wie Chang 1989 in Paris aufschlug, lebt in kleinen Details weiter.
Die Familie sitzt auf Tribüne 4. Vater Khuong, Anwalt, hat Akten zuhause liegen gelassen. Mutter Huyen, Lehrerin, zählt in einem kleinen Notizbuch Fehler und Winner. Zwischen den Punken schaut sie zum Sohn hoch, als wäre er noch der Neunjährige, der auf öffentlichen Plätzen in Irvine gegen 30-Jährige gewann.

Der junge aus dem hotspot spürt den kreis
Tien erinnert sich an den genauen Sitzplatz, von dem er 2014 das Finale zwischen Federer und Djokovic sah. Heute steht er selbst auf dem Center Court. „Das Stadion ist größer geworden, aber die Sonne brennt gleich“, sagt er und lacht. Die Wüstenluft trocknet die Kehle aus, macht die Bälle schneller. Genau das will er nutzen, um Sinner aus der Komfort-Zone zu drängen.
Die Bilanz: 0:1. In Peking vor fünf Monaten verlor er 4:6, 3:6. „Ich habe gelernt, dass ich früher in den Rallyes variieren muss“, analysiert er. Chang habe ihm Video-Schnipsel zusammengeschnitten – Sinner eröffnet mit weitem Aufschlag, schlägt dann diagonal auf die Rückhand, um mit Inside-Out zu enden. Tien will die Muster unterbrechen, das Tempo erhöhen, das Zentrum attackieren.

Top-100 im doppel – der nebenplan, der ihn scharf hält
Neben dem Viertelfinale jagt Tien einen persönlichen Nebenplan: Einstieg in die Top-100 der Doppel-Weltrangliste. „Doppel zwingt dich, schneller zu reagieren, die Reflexe zu schärfen“, sagt er. In Indian Wells bildet er mit Daniil Medvedev ein Sparten-Team. Coach Chang stimmte zu – unter der Bedingung: keine Extrarunden, keine Ablenkung. Der Spaß daran ist Teil der Strategie, den eigenen Anspruch niedrig zu halten und den Gegner zu unterschätzen.
Die Quoten sehen Sinner klar vorne: 1,18 gegen 5,20. Doch Tien weiß, dass Indian Wells schon größere Sensationen erlebte. Er spielt mit house money, wie die Amerikaner sagen. „Druck hat der Favorit“, sagt er und blickt zum Stadiondach, wo die Wüstenluft langsam auffrischt. Wenn der Wind dreht, kann aus einer Favoritenrolle schnell eine Falle werden.
