Thun rast richtung titel – und diskutiert sich dabei an die grenze

14 Punkte Vorsprung, neun Spiele noch: Der FC Thun spielt sich mit brachialer Konsequenz an die Spitze der Super League. Doch während die grün-weiße Maschine punktet, rattert die Kritik an ihrer Spielweise durch die Liga. 448 Fouls in 27 Partien – nur St. Gallen liegt noch vor dem Aufsteiger. Die Zahl ist kein Versehen, sondern Teil des Plans.

Die taktik der kleinen bremsen

Die taktik der kleinen bremsen

Thun zerhackt die Rhythmen der Gegner, ohne sich dabei mit Roten Karten zu belasten. Drei Platzverweise stehen bislang zu Buche – Schlusslicht der Statistik. Dafür stoppen die Berner Oberländer den Ball, den Spielfluss und mitunter auch die Atemzüge der Konkurrenz. Trainer Carlos Bernegger nennt das „effizientes Verteidigen“, seine Gegner sprechen von „Grenzverletzungen“.

Nach dem 2:1 über YB platzte Sandro Lauper der Kragen: „Sie leben am Limit – und manchmal drüber.“ Gerardo Seoane ergänzte, das Zeitspiel „fange schon beim Einwurf an“. Die Tabelle lacht trotzdem. Thun kassierte erst 18 Gegentore, weniger als jeder andere Klub. Hinten dicht, vorne eiskalt – Okoroji traf doppelt im Derby, sein sechstes und siebtes Saisontor.

Die Liga schaut hilflos zu. Ein kleines Foul hier, ein Rollschlag dort – die Referees pfeifen, verzichten aber auf Karten, weil jedes Einzeldelikt harmlos wirkt. Die Summe erstickt aber jeden Spielfluss. Bernegger lächelt: „Wir spielen innerhalb der Regeln.“ Die Statistik gibt ihm recht, die Moral nicht.

Am Sonntag gastiert Thun in Basel. Die FCB-Anhänger wittern Revanche für die 0:2-Heimpleite, in der ihrerseits 17 Fouls nichts halfen. Sollte Thun auch dort gewinnen, wäre die Meisterschaft rechnerisch vor dem 30. Spieltag entschieden. Dann stünde nicht nur ein Aufstiegsmärchen vor dem Happy End, sondern auch die Frage, wie weit Effizienz Fairness entwerten darf.