Thun rüttelt an der super league – und an den nerven der gegner

448 Fouls, 14 Punkte Vorsprung, ein Aufsteiger, der die Konkurrenz zerlegt. Thun spielt sich nicht nur an die Tabellenspitze, sondern auch in die Köpfe der Liga.

Die härte hinter dem höhenflug

Die härte hinter dem höhenflug

Die Berner Oberländer gehen in jeden Zweikampf, als wäre es der letzte. Lauper sprach vom „Limit“, Seoane vom „Zeitspiel“ – Code für: Die Gangart grenzt an Regelverstoß. Der Trick funktioniert. Thun kassiert kaum Rot, spielt aber den Spielfluss regelmäßig klein. Die Zahren liegen bei 448 Fouls, nur St. Gallen ist brutaler, doch die Grün-Weißen sitzen trotzdem vorne.

Was wie Zufall wirkt, ist Kalkül. Viele kleine Fouls, kaum große Karten – ein taktisches Manöver, das die Gegner aus dem Rhythmus wirft. YB fiel im Derby genau darauf rein. Nach dem 1:2 schüttelten Spieler und Trainer nur noch den Kopf. Der Meister wirkte wie ein Boxer, der jeden Punch abkriegt, aber nie sauber treffen darf.

Die Liga schaut hin, murrt, protestiert – und bringt trotzdem kein Rezept. Neun Runden sind noch zu spielen, Thun hat den Zenit längst überschritten. Wer jetzt noch glaubt, die Tabellenführung beruhe nur auf Glück oder Frische, verkennt die harte Währung der Berner Oberländer: Sie bestimmen Tempo und Ton, selbst wenn dabei der Gegner stolpert.

Der Titel ist längst keine Frage mehr, sondern eine Frage des Wann. Und die Antwort steht in jedem Spielbericht: Wer sich der Härte entziehen will, verliert automatisch Punkte. Thun hat verstanden, dass Schönheit hier nicht zählt – nur die Zahl am Ende.