Thun patzt in zürich – bertone schießt gegen eigene mannschaft
Leonardo Bertone redet nicht lange rum. «Wir haben in der zweiten Hälfte vergessen, wie man Zweikämpfe führt», sagt der Mittelfeld-Chef des FC Thun nach dem 1:2 im Letzigrund. Die Niederlage wirkt wie ein Kälteschock mitten in der Aufstiegsrallye.
Die erste hälfte täuschte
Noch nach 45 Minuten sah alles nach einem souverenen Arbeitssieg aus. Thun spielte sich in Sechser-Ketten durchs Zürcher Mittelfeld, liess den Ball laufen, erspielte sich Großchancen. Doch was danach passierte, hat Trainer Carlos Bernegger so schnell noch nicht erlebt: «Ein Komplett-Blackout.»
Der FC Zürich stellte um auf Manndeckung, schickte zwei Pressing-Linien auf die Berner. Die Folge: Thuns Abwehrzentrale rutschte auseinander, die Sechser kamen zu spät, und der Designierte Meister wirkte plötzlich wie eine Regionalliga-Elf.

Zahlen, die wehtun
37 % Ballbesitz nach dem Seitenwechsel – das ist keine Statistik, das ist ein Armutszeugnis. 6:16 Zweikampfquote in Hälfte zwei, 0:8 Sprintduelle gewonnen. «So gewinnt man keine Meisterschaft», sagt Bertone und schlägt mit der flachen Hand auf die Kabinenwand.
Die Thuner Fans reisten noch euphorisch an, schwenkten Aufstiegsfahnen. Nach Abpfiff herrschte Grabesstille. Die Erkenntnis: Selbst ein designierter Aufsteiger muss jeden Meter neu erkämpfen.

Bernegger reagiert sofort
Training am Montag: Doppelpass-Dauerläufe, Zweikampf-Torhüter, Sprintstaffeln. Wer nicht gewinnt, fliegt raus. Keine Ausreden, keine Psychologie. «Wir haben vergessen, dass Intensität keine Frage der Form ist, sondern der Einstellung», sagt der Coach.
Derweil arbeitet Sportchef Andres Gerber an der Kurzfrist-Kaderplanung. Ein Sechser mit Bundesliga-Erfahrung soll noch vor der Winterpause kommen – sonst droht die Saison zu kippen.
Nächster Gegner: Vaduz am Samstag. Das Letzigrund-Desaster darf keine Gewohnheit werden, sonst wird aus dem Aufstieg schnell ein Abstiegskampf. Die Thuner haben eine Woche Zeit, ihre Zweikampf-Kultur wiederaufzupolieren. Die Uhr tickt laut – und Bertone hört sie ganz genau.
