Ronivaldo tritt ein, das stadion erbebt: blau-weiß linz dreht 0:2 in 3:2 und schickt ried nach hause
18 Minuten war gespielt, da pfiff die Hälfte der Voest-Arena schon ab. 0:2, Peter Kiedl hatte die SV Ried mit zwei Solo-Einlagen auf Kurs Richtung Sieg. Dann riss jemand das Skript entzwei: Ronivaldo, 36 Jahre alt, 15 Saisons voller Zweitliga-Duelle im Bein. Sein Foulelfmeter zum 3:2 in der 78. Minute ließ die Anlage vibrieren – und warf die Tabelle durcheinander.
Platzverweis als zündung: mit einem mann mehr kam der glauben zurück
Die Wende begann mit einem Moment Irrsinn. Rieds Ante Bajic griff sich nach einem Zweikampf ans Gesicht, Schiedsrichter Christopher Jäger zückt Rot. „Ab der 30. Minute hatten wir einen Extramann, aber die Idee mussten wir uns selbst liefern“, sagte Simon Seidl, dessen Kopfball zum 2:2 in der 67. Minute den Boden für Ronivaldos Finale bereitete. Die Statistik: 21 Torschüsse nach der Pause, 68 Prozent Ballbesitz, eine Chancenwucherung, wie sie selten ist im Tabellenkeller.
Blau-Weiß-Coach Michael Köllner schickte seine Außen nach vorn, stellte auf Dreierkette um. Die Rieder lauerten auf Konter, doch jedes Mal war Mattersburg-Leihgabe Stephan Zwierschitz first man back, stoppte drei Gegenstöße im Sprint. „Wir haben heute nicht gespielt wie Letzter, sondern wie ein Aufsteiger mit Ziel“, sagt Köllner, der nach dem 0:2 sogar seine Kaffeetasse wegstellte, um lautstark umzustellen. Die Bank: leer. Die Kurve: ununterbrochen.

Ronivaldo nimmt die 12 000 mit – und die pflichtspiel-auswahl
Sein fünfter Treffer dieser Saison war gleichzeitig der wertvollste. „Ich hab gespürt, dass der Keeper (Thomas Gebauer) gleich runter will“, erklärt der Brasilianer mit österreichischem Pass. „Also hab ich ihn hoch geschossen, wo keine Hand mehr rangeht.“ Die Art, wie er den Ball nach dem Tor unter sein Trikot steckte, erinnerte an alte Copa-Fernsehbilder. „Ich bin alt, aber die Nerven sind jung geblieben“, lacht er. Die Fans skandierten seinen Namen, als wäre ein Playoff-Halbfinal geplatzt.
Für Ried dagegen droht der Abstiegs-Playoff. Die 2:0-Führung war die achte in dieser Saison, die verspielt wurde. „Wir haben in Unterzahl zu tief gestanden“, klagt Coach Christian Heinle. „Keine Pressing-Linie, kein Ballgewinn – das ist keine Taktik, das ist Beten.“ Die Salzburger Verwaltung will nun an diesem Montag die Leistungsprämie streichen. „Wenn du zweimal in 18 Minuten triffst und trotzdem mit leeren Händen nach Hause fährst, muss sich was ändern“, so Heinle.

Restprogramm: acht endspiele, null toleranz
Mit 18 Punkten liegt Blau-Weiß weiter auf Relegationsplatz 12, nur zwei Zähler fehlen zum rettenden Ufer. „Jeder Punkt wiegt einen Zentner“, sagt Köllner. Das Programm: Austria Wien II (daheim), dann Auswärtsspiele in Lafnitz und Vorwärts Steyr. Drei Teams in Reichweite. Die Mannschaft trainiert seit dem 4. Januar im Doppelpass-Modus, zweimal täglich, ohne Sonderurlaub. „Wer nicht läuft, fliegt raus“, laut interne Devise.
Ronivaldo hat schon wieder das Eisbein im Kühlschrank. „Ich bin 36, aber meine Knochen wollen noch feiern.“ Die Saison ist nicht gerettet, aber die Hoffnung lebt – und in Linz glaubt man wieder an die eigene Unbeirrbarkeit. Am Samstag kommt St. Pölten. Dann zählt nur noch ein Ergebnis.
