Duplantis spart sich den rekord und schnappt sich trotzdem gold nummer vier

6,25 Meter reichen. Mehr nicht. Armand Duplantis lässt den Weltrekord links liegen, schraubt sich nur so hoch, wie er muss, und pflückt in Torun seine vierte Hallen-Krone nacheinander. Der Ort, an dem er 2020 als 20-Jähriger mit 6,17 Meter erstmals die Latte der Menschheit höher legte, wird zur Bühne seiner souveränsten Demontage.

Torun bleibt sein persönlicher zauberort

Der Schwede wirkt wie ein Regisseur, der das Drehbuch schon im Kopf hat. Erst 6,00 Meter, dann 6,25 Meter – beides im ersten Versuch. Danach? Kein Griff mehr zum Stab. Die Konkurrenz verharrt in Marschhöhe: Karalis aus Griechenland rutscht bei 6,05 Meter ab, Australiens Marschall bleibt an 6,00 Meter hängen. 19 Zentimeter Vorsprung wirken wie ein Klassenunterschied, obwohl Duplantis seit 44 Wettkämpfen ohne Niederlage ist und die Serie damit weiter ausbaut.

Die Zahl, die wirklich zählt, steht außerhalb des Stadions: 6,31 Meter. Dort schraubte er am 12. März in Uppsala den Rekord zum 15. Mal nach oben. In Torun spart er sich die Show, nicht weil er müde ist, sondern weil er kann. Die Saison ist lang, der Sommer kommt, und Paris 2027 rückt näher.

Ehammer pulverisiert eaton und die geschichtsbücher

Ehammer pulverisiert eaton und die geschichtsbücher

Während Duplantis die Latte hochlegt, wirft Simon Ehammer die Geschichte neu. 6670 Punkte im Siebenkampf – das reicht, um Ashton Eatons 12 Jahre alte Hallen-Bestmarke von 6645 Punkten zu zerbomben. Der Schweizer jubelt, die Leichtathletik-Welt verliert den Atem. Dahinter rangieren zwei US-Amerikaner, Baldwin und Garland, mit 6337 und 6245 Punkern. Der deutsche Hoffnungsträger Manuel Eitel kommt auf 5818 Zähler und landet auf Rang neun – ein Platz, der mehr Fragen als Antworten liefert.

Die deutsche Sprinterin Philina Schwartz sprintet sich die Seele aus dem Leib, bleibt aber bei 7,20 Sekunden über 60 Meter im Halbfinale hängen. Die 19-jährige Hallenmeisterin verpasst das Finale um Millimeter, nicht um Sekundenbruchteile. Das 14-köpfige DLV-Aufgebot wirkt trotzdem kompakt – nur ohne Malaika Mihambo, die lieber den Sommer anvisiert.

Die Bilanz nach zwei Tagen: Duplantis spart Energie, Ehammer schreibt Geschichte, Deutschland schaut zu. Die Hallen-WM in Torun ist ein Lehrstück darüber, wie man mit weniger Anstrengung trotzdem gewinnt – und wie andere mit maximaler Anstrengung plötzlich die Bestmarken der Vergangenheit einfach einreichen.