Giro d'italia: sturzserie wirft schatten auf auftakt – yates muss aufgeben
Der Giro d'Italia beginnt mit einem Schock. Nach zwei Etappen zählt das Feld nicht Sieger, sondern Verletzte. Adam Yates ist raus – und mit ihm die Frage, ob die Streckenführung in Bulgarien das Risiko unterschätzt hat.
Ein sturz jagt den nächsten
Samstag, 23 Kilometer vor dem Ziel von Etappe zwei: Asphalt glänzt wie Seife, das Tempo liegt bei 70 km/h. Ein Ruck durchs Feld – 30 Fahrer knallen auf die Straße. Unter ihnen Yates, Marc Soler, Jay Vine. Sekundenbruchteile später liegen auch Andrea Vendrame, Santiago Buitrago und Adne Holter am Boden. Das Ergebnis: Beckenbruch, Ellbogenfraktur, dreifacher Wirbelbruch. Und das nach nur 294 Kilometern Rennen.
UAE Team Emirates-XRG meldet am Morgen danach nüchtern: „Gehirnerschütterung, tiefe Schürfwunden, Schnitt am Ohr.“ Yates selbst kann es kaum fassen: „Was für ein Desaster. Ich habe Monate auf diesen Giro hingearbeitet.“ Für Tadej Pogacar, der in Slowenien trainiert und auf seine Helfer zählt, wird die Tour de France plötzlich zur Personalfrage.

Warum gleich zwei massenstürze?
Paul Magnier, der in Rosa sprintete, beschreibt das Peloton als „nervös“, doch das reicht nicht als Erklärung. Die Strecke nach Veliko Tarnovo führt über glatte Betonplatten, enge Kurven, keine Betonbarrieren. Schon Freitag in Burgas waren nur zehn Fahrer durchs Ziel gekommen, 600 Meter vor Schluss blockierte ein Sturz die Straße. Zwei Tage, zwei Chaossprints – das ist kein Zufall, das ist ein Warnsignal.
Rennleiter Mauro Vegni kündigt an, die Streckenführung zu prüfen. Zu spät für Yates, Soler und Co. Die UCI will Stellung nehmen, doch die Fahrer fordern konkrete Konsequenzen: breitere Aufläufe, bessere Beläge, Sicherheitszonen in den letzten Kilometern.

Die rechnung steht noch aus
162 Radprofis sind noch im Rennen, 24 haben bereits aufgegeben. Die Verlustliste liest sich wie ein Who-is-Who der Helfer. Ohne sie keine Kontrolle der Etappen, ohne sie kein Schutz für die Kapitäne. Wenn der Giro am Dienstag Richtung Balkan weiterzieht, fehlen nicht nur Namen, sondern die gesamte DNA mancher Teams.
Die pinken Trikots bleiben gewahrt, die Träume nicht. Für Adam Yates beginnt die Saison neu – mit Schmerzen, ohne Italien. Und das Peloton? Es tritt weiter in die Pedale, aber jeder Blick geht nun erst einmal nach vorn – und dann zum Asphalt, der plötzlich viel zu nah ist.
