Thomas: vom rugby-star zum kämpfer gegen den hiv-stigma

Madrid bebte Fußball, aber Gareth Thomas, walisischer Rugby-Legende, stahl den Mittelmarathon die Show – nicht wegen seiner Zeit, sondern wegen seiner Botschaft. Der Kapitän der walisischen Nationalmannschaft, der 2005 das Grand Slam gewann, nutzt seine Teilnahme an dem Lauf, um das Stigma rund um HIV anzuprangern, eine Krankheit, die er 2019 öffentlich machte, zehn Jahre nachdem er als erster Top-Sportler seine Homosexualität bekannt gab.

Ein leben zwischen triumph und trauma

Thomas, gezeichnet von zahllosen Tattoos – „Der erste war mit 13, Yosemite Sam!“, grinst er – ist alles andere als ein Mann, der sich versteckt. Er trainiert obsessiv: „Um vier morgens im Fitnessstudio. Und um neun möchte ich schon Abendessen!“, scherzt er über seinen unermüdlichen Ehrgeiz. Doch hinter der Fassade des fitten Athleten verbirgt sich eine Geschichte von tiefer Verzweiflung und dem Kampf gegen innere Dämonen.

Seine Diagnose traf ihn wie ein „Expressto, der mit 300 km/h auf mich traf“, wie er es beschreibt. Aufgewachsen in einer Umgebung, in der HIV mit Tod und Scham gleichgesetzt wurde, empfand er das Urteil zunächst als Todesurteil. Die Gedanken an Suizid waren real, die Vorstellung, seinen Lieben den Prozess des Abschieds zu ersparen, beängstigend. „Ich dachte, es wäre das Beste für alle, wenn ich einfach verschwinde“, gesteht er.

Ein dunkles Kapitel der Verzweiflung Thomas offenbarte, wie er kurz davor stand, in einen Abgrund zu fahren, nur um durch das Aufkommen von Unterstützung und Verständnis gerettet zu werden. Doch die Geschichte endet nicht mit der Diagnose. Ein ehemaliger Bekannter versuchte, ihn durch die Androhung, seine Privatsphäre zu verraten, zu erpressen. „Als ich mir eingestand, dass ich niemanden vertrauen konnte, beschloss ich, die Kontrolle zurückzugewinnen. Ich würde meine eigene Geschichte erzählen, bevor jemand anderes sie verdreht.“

Mehr als nur ein sportler: ein vorreiter der aufklärung

Mehr als nur ein sportler: ein vorreiter der aufklärung

Thomas engagiert sich leidenschaftlich für die Aufklärung und die Bekämpfung des HIV-Stigmas. „Wenn du unter medizinischer Behandlung stehst, ist das Virus nicht übertragbar“, betont er. „Und HIV betrifft nicht nur schwule Männer oder Menschen afrikanischer Herkunft. Es betrifft jeden.“ Sein Ironman in Wales, nur einen Tag nach der Enthüllung seiner Diagnose, war ein symbolischer Akt des Trotzes – ein Beweis dafür, dass HIV kein Hindernis für ein erfülltes Leben darstellen muss.

„Ich möchte, dass die Leute verstehen, dass man mit HIV leben kann, ein aktives Leben führen kann und trotzdem glücklich sein kann“, erklärt er. „Und ich möchte, dass die Leute aufhören, sich zu schämen und sich stattdessen testen lassen.“

Thomas' Geschichte ist eine Geschichte von Mut, Widerstandsfähigkeit und der Suche nach Authentizität. Ein Rugby-Star, der sich seiner Vergangenheit stellt, um eine bessere Zukunft für alle zu schaffen – und dabei auch noch einen Marathon läuft.