Thomas dreßen packt aus: "ich war kein musterathlet, jetzt fordere ich das von meinen schützlingen"

Er raste als Streif-Sieger 2018 in die Geschichtsbücher, aber hinter dem Ruhm steckte ein Querdenker, der jeden Befehl hinterfragte. Im Sportschau-Podcast räumt Thomas Dreßen ein: „Ich war sicher nicht der einfachste Athlet.“ Heute sitzt der 31-Jährige auf der anderen Seite des Zauns – und genau das macht seine neue Mission so brisant.

Vom knie-operationstisch direkt ins trainerbüro

Dreßens Karriere endete 2024 nicht mit einem Knall, sondern mit dem trockenen Befund eines Spezialisten: „Knorpelmäßig am Ende.“ Fünf Weltcupsiege, unzählige Schrauben, ein Ruf als Speed-Enfant terrible. Statt sich in den TV-Studio-Sessel zu lehnen, schnappte er sich direkt die nächste Streif – diesmal als Co-Trainer des DSV-Europacup-Teams. „Ich wollte Abstand gewinnen, merkte aber: Der Sport nagt weiter an mir“, sagt er im Interview. Die Lösung: Die Leidenschaft in Lehrform gießen.

Dabei legt er die Latze hoch. „Mündige Athleten“ nennt er seine Zielgruppe – Skirennfahrer, die nicht nur „Rechts, links, Bremse“ verstehen, sondern fragen: Warum? Was bringt’s? Wer sind meine Konkurrenten? Dreßen grinst: „Genau das habe ich früher auch gemacht. Meine Trainer damals hat’s gefuchst.“

Europacup ist kein kindergeburtstag – und der weltcup wartet mit abriss

Europacup ist kein kindergeburtstag – und der weltcup wartet mit abriss

Die Jungs und Mädels, die er betreut, kämpfen auf Pisten, die in der Speed-Szene als „2. Liga“ gelten. Trotzdem: 130 km/h, Eiswürfel statt Schnee, Tiefschneefallen erlaubt. Dreßen schüttelt den Kopf: „Die wissen oft nicht, was sie erwartet.“ Seine Aufgabe: mentale Panzerung, Technik-Feinschliff, Ausdauer bis zur „physischen Endlage“. Der Sprung in den Weltcup? „Von der Geometrie der Strecke bis zur Startnumnerven – alles exponentiell härter.“

Er selbst schwärmt nicht mit alten Heldentaten. „Ich erzähle keinen Streif-Märchen, sondern lehre Präsenz im Moment“, betont er. Dafür schaut er sich jeden Lauf dreimal an – einmal normal, einmal in Zeitlupe, einmal nur die Beine. „Dann siehst du, wer Druck aufbaut und wer nur auf Speed setzt.“

Zuhause bleibt ein bild auf dem handy

Zuhause bleibt ein bild auf dem handy

Die Kehrseite: Frau, zwei Kleinkinder, 150 Reisetage. Elena (2) und Luca (1) erkennen Papa meist nur aus der Video-Grußbotschaft. „Man versäumt einiges“, sagt er rau. „Aber wenn du den Jungs beibringst, wie man eine steile Kanzel runterkommt, ohne sich umzubringen, bleibt dir keine Zeit für Selbstmitleid.“

Ziel der Saison: mindestens zwei seiner Fahrer sollen Weltcup-Startplätze ergattern. „Wenn das klappt, war’s das wert“, sagt er. Und dann verschwindet er wieder im Schneegestöber – mit dem Wissen, dass die nächste Generation vielleicht weniger fragt, aber dafür schneller fährt. Die Zeit der Querdenker ist vorbei. Die Zeit der Schnellleger beginnt – mit einem Trainer, der genau weiß, wie anstrengend beides ist.