Thiemann knackt 24-punkte-marke im jubiläumsspiel und rettet dbb gegen kroatien
24 Punkte, 12 Rebounds, 100. Länderspiel – und am Ende ein Seufzen, das durch den kompletten Telekom Dome ging. Johannes Thiemann hat die deutschen Basketballer am Sonntagabend mit einer Premiere vor eigenem Publikum vor dem Absturz in der WM-Quali bewahrt: 91:89 nach Verlängerung gegen Kroatien, zwei Tage nach der 88:93-Pleite in Zagreb. Der Ersatzkapitän feierte sich, sein Team und die Tatsache, dass der Kopf wieder frei ist.
Die nacht, in der jt über sich hinauswuchs
32 Jahre alt, 2,03 Meter groß, und plötzlich Center, Aufputschmittel und emotionaler Anker in einem. Thiemann spielte 38 Minuten, traf 9 seiner 14 Würfe, versenkte 6 Freiwürfe in Serie und riss sich jeden Ball vom Brett, den seine Mitspieler nicht mitnahmen. „Er liest die Zone wie ein Buch“, sagte Oscar da Silva, „und heute hat er es vorgelesen.“ Dabei war der Power Forward vor drei Wochen noch mit Gehirnerschütterung außer Gefecht, ausgefallen für Gunma Crane Thunders in Japan. „Nur zuschaufen ist das Allerletzte“, sagte er nach dem Spiel, die Stimme heiser, das Trikot durchgeschwitzt. „Aber jetzt bin ich zurück – und wie.“
Die Kroaten führten 17 Punkte, doch Thiemanns Block gegen Bogdanović und der anschließende Dreier von Maodo Lo schrumpften den Vorsprung auf fünf. In der Verlängerung legte Thiemann sieben der zwölf deutschen Punkte auf das Brett, darunter den entscheidenden Korbleger 18 Sekunden vor Schluss. Bonn tobte, die DBB-Führung atmete durch. „1:1 ist okay, mehr war nach dem Hinspiel nicht drin“, sagte Thiemann, „aber wir haben gezeigt, dass wir in fremden Hallen mithalten und zu Hause gewinnen.“

100 Länderspiele, ein gerahmtes bild, eine neue bestmarke
Vor dem Sprungball überreichten DBB-Präsident Ingo Weiss und Vize Armin Andres ein Bild mit Thiemanns ersten Korbleger im Nationaltrikot. „Ich hab es kurz angeguckt, dann war Kopf wieder frei“, lachte der Jubilar. Die 24 Punkte sind nicht nur persönliche Bestleistung, sondern auch die höchste Ausbeute eines deutschen Big Men seit Dirk Nowitzkis 29 gegen Angola 2006. „JT ist unser Go-to-Guy mit 100 Einsätzen auf dem Buckel“, sagte da Silva. „Jeder hier weiß, was er geleistet hat.“
Für die Qualifikation zur WM 2027 bedeutet der Sieg, dass Deutschland trotz des verpatzten Freitags auf Kurs bleibt. Die nächsten Doppelspieltage warten im November, doch schon jetzt ist klar: Ohne Schröder, aber mit Thiemann als innerer Angelpunkt, ist das Team bereit für die Zitterpartien. „Wir haben den Kader breit“, sagt Bundestrainer Gordon Herbert, „und JT ist die Konstante, die uns die Zeit raubt, die wir brauchen.“
Thiemann selbst will sich nicht auf Lorbeeren ausruhen. „24 Punkte sind schön, aber nächste Woche beginnt in Japan wieder der Alltag“, sagt er und packt bereits seine Tasche. Dort wartet Gunma auf seinen Topscorer – und die DBB wartet darauf, dass sein Kopf gesund bleibt. Denn wenn Thiemann fit ist, spielt Deutschland auf einmal wieder mit dem Rücken zur Wand – und vorne weg. Die Nacht von Bonn war mehr als ein Jubiläum, sie war eine Ansage: Der Weltmeister von 2023 ist zurück, und diesmal trägt er die Nummer 11 statt 13. Manchmal reicht ein Wechsel der Trikotnummer, um eine Karriere neu zu starten. 100 Einsätze, 24 Punkte, eine Nation atmet auf.
