Tennis-krieg der giganten: wie ein öl-magnat das spiel veränderte

Die aktuellen Drohungen von Tennis-Stars gegen die Grand-Slam-Turniere sind kein Novum. Eine ähnliche Eskalation gab es bereits vor sechs Jahrzehnten, ausgelöst durch einen skrupellosen Öl-Tycoon und den Traum vom modernen Profisport.

Die geburt des open era: ein texaner krempelt das tennis um

Lamar Hunt, ein texanischer Öl-Mogul aus Dallas, hatte eine Vision: ein Tennis-Format, das die starren Regeln der Amateurdörfe sprengte. 1967 präsentierte er das World Championship Tennis (WCT), ein Parallel-Turnier, das die besten Spieler der Welt anlocken sollte – und das mit lukrativen Verträgen. Diese Entwicklung markierte den Beginn einer Revolution, die das Tennis, wie wir es heute kennen, hervorbrachte.

Zur Erinnerung: In den 1960er Jahren herrschte im Tennis eine bizarre Situation. Die großen Turniere waren den „Profis“ verwehrt, die Grand-Slam-Events gehörten ausschließlich den Dilettanten. Spieler durften kein Geld mit dem Sport verdienen, nicht einmal Unterricht geben. Wer erwischt wurde, riskierte eine Sperre. Dennoch gab es Schlupflöcher, und viele Spieler nahmen „anderweitig“ Annahmen entgegen. Eine Zeit, die heute kaum noch vorstellbar ist.

Hunt und sein Sportagent David Dixon aus New Orleans nutzten diese Situation schamlos aus. Sie lockten 1967 mit üppigen Verträgen acht Top-Spieler – die sogenannten „Fantastischen Acht“ – ab: Dennis Ralston, John Newcombe, Tony Roche, Cliff Drysdale, Earl Buchholz, Niki Pilić, Roger Taylor und Pierre Barthes. Newcombe, Wimbledon-Champion, war einer von ihnen. Die Entscheidung löste eine Welle der Empörung aus, selbst der All England Club musste reagieren und erlaubte 1968 bereits die Teilnahme von WCT-Profis.

Das WCT war ein Quasi-Parallel-Turnier, das den Weg für das Open Era ebnete. 1970 kamen Rod Laver und Ken Rosewall hinzu, die bereits einer anderen professionellen Liga angehörten, der National Tennis League. Lavers Geschichte ist besonders bemerkenswert: Er wurde 1963 Profi und durfte bis 1968 nicht an den Grand Slams teilnehmen. Er war der einzige Spieler, der den Grand Slam sowohl als Amateur (1962) als auch als Profi (1969) schaffte. Schätzungen zufolge fehlen ihm heute mindestens ein paar weitere Majors, wenn man bedenkt, dass er von 1963 bis 1968 nicht spielen durfte.

Von der wct zur atp und wta: die spieler ergreifen die kontrolle

Von der wct zur atp und wta: die spieler ergreifen die kontrolle

Die Machtkämpfe um Geld und Einfluss führten 1972 zur Gründung der Association of Tennis Professionals (ATP) durch Jack Kramer, Donald Dell und Cliff Drysdale. Die ATP sollte die Interessen der Spieler vertreten und die Konflikte zwischen den verschiedenen professionellen Verbänden schlichten. Schnell entwickelte sich die ATP jedoch von einem reinen Spielerverband zu einer mächtigen Kontrollinstanz, die im Laufe der Jahre die verschiedenen professionellen Ligen, einschließlich der WCT, absorbierte.

Auch im Damenbereich brodelte es. Billie Jean King und Rosie Casals führten den Kampf für gleiche Preisgelder an und gründeten 1973 die Women's Tennis Association (WTA). Die heutigen Machtkämpfe sind nur die Fortsetzung einer Geschichte, die vor Jahrzehnten begann – und deren treibende Kraft weiterhin das Geld ist.

Die aktuelle Situation zeigt deutlich: Der Tennis-Sport hat sich seit den Tagen von Lamar Hunt und den „Fantastischen Acht“ zwar gewandelt, aber die Grundkonflikte sind geblieben. Ein Sport, der einst von Ehre und Tradition geprägt war, ist zum Schlachtfeld der kommerziellen Interessen geworden. Und das ist nicht nur für die Spieler, sondern für das gesamte Tennis ein Problem.