Clásico ohne tafel: madrid und barcelona verzichten auf ritterschlag

Kein Handschlag, kein Menü, kein Prosecco. Am Sonntag, 21 Uhr, Spotify Camp Nou, treffen die beiden größten Marken des Weltfußballs aufeinander – und ihre Präsidenten bleiben sich selbst und dem Gegner fern. Die legendäre Präsidensmahlzeit vor dem Clásico entfällt erneut, bestätigten beide Klubbüros am Freitagabend. Das letzte gemeinsame Essen liegt so lange zurück wie ein verschossener Messi-Freistoß im oberen Eck.

Strafe statt toast: der fall negreira blockiert den festsaal

Der Bruch reicht bis Januar 2023. Damals zog Barça die Stecker, nachdem Real Madrid sich im sogenannten Caso Negreira als Privatkläger einreihte. Die Anklage: millionenschwere Schiedsrichterbeeinflussung über Beraterzahlungen. Seitdem ist jede Begegnung auf Vorstandsebene ein Eiertanz. Die Spanier sagen „tensión institucional“, die Katalanen sagen „relaciones rotas“. Beide Begriffe fühlen sich an wie ein Muskelkater, der nie verschwindet.

Für Sonntag war ursprünglich ein zehnminütiges Protokoll-Treffen vorgesehen – abgeblasen. Stattdessen empfangen Joan Laporta und seine Delegation nur die Liga-Delegierten, während Florentino Pérez’ Gefolge separat im VIP-Bereich Platz nimmt. Dazwischen: zwei Sicherheitskorridore, ein Pressewall, 98 000 Fans, die brüllen, als gäbe es kein Morgen.

Die Zahlen sprechen Bände. Seit 2023 fiel jedes gemeinsame Event aus oder wurde auf ein Minimum reduziert. Einzig beim 0:0 im Bernabéu dieser Saison gab es ein fünfminütiges Händeschütteln – weil das Spiel um 16:00 Uhr begann und die Protokollzeit fehlte. Jetzt, 21:00 Uhr, bleibt genug Raum für Schweigen.

Kein ende in sicht: das nächste duell steht schon vor der tür

Kein ende in sicht: das nächste duell steht schon vor der tür

Der Gewinn von Sonntag entscheidet nicht nur die Meisterschaft, er schreibt auch das Skript für das Copa-del-Rey-Viertelfinale im Januar. Da wird wieder gegessen – vermutlich getrennt. Für Christian Schneider, der seit 20 Jahren Clásicos analysiert, ist das ein Novum: „Früher war die Mahlzeit das Symbol für Respekt. Heute ist sie der erste Verlierer des Spiels.“

Die Liga hält sich raus. Keine Strafe, keine Ermahnung. Stattdessen fließt das Mediengeld trotzdem: 175 Millionen Euro verteilen sich pro Saison auf die 20 Erstligisten, unabhängig davon, ob sich die Bosse anstoßen oder nicht. Die Botschaft: Der Clásico verkauft sich auch als Zerwürfnis.

Am Sonntag also: Kick-off um 21 Uhr, Anpfiff der Eiszeit schon jetzt. Wer gewinnt, erhält drei Punkte. Wer verliert, muss trotzdem nicht nebeneinander sitzen. Der Fußball liefert das Spektakel, die Politik liefert den kalten Teller. Und die Fans? Die feiern trotzdem – getrennt natürlich, aber laut.