Tel zerlegt die premier league: „langweilig, kein flair – das ist kein fußball“
Mathys Tel hat genug. 20 Jahre alt, 30 Millionen Ablöse, zwölf Monate England – und nichts als Frust. Nach der 2:5-Pleite gegen Atlético Madrid und dem Abrutschen Richtung Abstiegszone poltert der Franzose gegen die Liga, die ihn eigentlich retten sollte.
„Ich sage die Wahrheit: Die Premier League ist kein Spektakel“, schleudert er Zakaria Haddad vor laufender Kamera entgegen. „Es ist langweilig anzusehen. Zwei Teams laufen aufeinander, fertig.“
Die beweise liefert tel selbst
Sein letztes Tor datiert auf März. Seitdem: sieben Spiele, null Treffer, zwei Trainer, kein Sieg. Tottenham steht mit 39 Punkten auf Rang 15, nur einen Zähler vor dem Relegationsplatz. Igor Tudor, der ihn aus der Reserve zog, ist selbst schon nach fünf Partien ohne Erfolg in der Kritik.
Doch Tel sieht das Problem nicht bei sich. „Kein Vinicius Jr., der einen Sombrero zeigt, kein Mbappé-Sprint, nichts“, zählt er auf. „Nur Gedränge. Der Torwart sieht nichts, weil jeder jeden umreißt. Standards? Vergiss es.“
Die Attacke trifft vor allem Arsenal – genau jene Mannschaft, die Brighton-Coach Fabian Hürzeler vor Tagen noch als „Anti-Fußball“ bezeichnete. Tel liefert die Soundkulisse für eine Debatte, die in London bereits tobt.

Bayern-flop wird zum tottenham-problem
Schon in München wollte er im Winter weg, nachdem Thomas Tuchel ihn in der zweiten Saison nur noch von der Bank winkte. Die Hoffnung: In England entfalte sich seine Athletik. Stattdessen demonstriert er nun, was ihm in der Bundesliga fehlte: Durchsetzung, Timing, Selbstkritik.
Die Zahlen sind gnadenlos: 1.151 Minuten, drei Tore, erwartete Tore (xG) 5,4 – ein Minus von 2,4. Kein Pelkum-Stürmer würde diese Bilanz akzeptieren, schon gar nicht mit 90.000 Pfund Wochengehalt.
Tel spielt sich weiterhin als Opfer. „Ich bin ehrlich“, wiederholt er im Interview, während seine Mitspieler nach dem Atlético-Debakel durch die Mixed-Zone schleichen. Die Fans reagieren auf Social Media mit GIFs, in denen er den Ball am Aluminium vorbeischießt – sie zählen länger mit als er selbst.
Spätestens wenn der Abstand zum Abstieg nur noch ein Tor ist, wird Tudors Zeit ablaufen. Tel könnte dann die nächste Leihstation ansteuern – oder zurück nach Deutschland, wo man ihn trotz allem noch kennt. Dort wartet niemand mehr auf ihn. Dort wartet nur die Frage, ob 20 Jahre und 30 Millionen noch eine Zukunft sind oder schon die Rechnung für ein Versprechen, das niemand eingelöst hat.
