Tatjana paller schraubt em-bronze ans brett – hösch liefert, junioren feiern doppel-gold
Shahdag, 14:39 Uhr Ortszeit – Tatjana Paller stampft ins Ziel, wirft die Stöcke weg und grinst wie nach einem Pokalfinale. 24 Stunden nach ihrem Sprint-Drittel hängt sich die 28-Jährige an der Seite von Finn Hösch erneut die Bronzescheibe um. 1:17 Minuten fehlten auf Gold, 23 Sekunden auf Silber. Die Schweiz vorne, Spanien dazwischen – und Deutschland wieder auf dem Podest, wo es bei der Olympia-Premiere in Cortina noch Rang sieben gewesen war.
Die zahlen, die paller und hösch erklären
Die Mixed-Staffel gilt als Gradmesser für Ausdauer und Taktik: 1 500 Höhenmeter, zwei Wechsel, ein Seilpass. Paller ging als Ankerfrau auf die letzte Rampe, nachdem Hösch die erste Aufstiegszeit auf 17:04 Minuten gedrückt hatte. Dass sie sich an diesem Mittwoch nicht wie in Italien verzettelten, verdanken sie längeren Bindungen und einem Wechsel in der Wettkampflogik: „Wir haben die Kräfte aufgeteilt, statt zu früh zu rasen“, sagt Hösch, der in der Sprint-Quali noch kollabiert war.
Die Konkurrenz schwächelte nicht, aber sie blieb greifbar. Fatton/Bussard lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit De Silvestro/Boscacci, während Paller/Hösch konstant dahinter blieben und im Zielsprint trotz erschöpfter Oberschenkel noch 11 Sekunden auf die Italiener gutmachten.

Junioren schreiben ihre eigene geschichte
Während die Elite um Sekunden kämpfte, machten Helena Euringer und Moritz Bauregger den Wettbewerb zur Demonstration. Fast fünf Minuten Vorsprung – das ist im Skibergsteigen eine Ewigkeit. Euringer sicherte sich damit Gold Nummer zwei nach dem Sprint, Bauregger komplettierte das deutsche Junioren-Double. „Wir haben uns vorher in der Hütte verbarrikadiert und Kekse gegessen, damit niemand unsere Taktik mitbekommt“, verrät Euringer lachend. Die Taktik: konstant 90er Puls, dann 300 Meter vor dem Ziel Vollgas. Die Spanier schauten nur auf die Anzeigentafel und winkten ab.
Trainer Ronny Rieger spricht von einem „Kernschmelz-Moment“: „Wenn die älteste und die jüngste Formation am selben Tag podiumst, weißt du, dass das System funktioniert.“
Am Freitag steht das Einzelrennen an, Sonntag folgt das Vertical. Paller wirkt gelöst: „Bronze ist kein Makel, sie ist die Visitenkarte für die nächste Saison.“ Hösch nickt und stopft sich schon wieder eine Energieriegel-Tasche voll. Wer jetzt denkt, die deutsche Truppe wäre zufrieden, unterschätzt den Hunger, der hinter dem Lächeln lauert.
