Tardif wirft hin: iihf-chef verzichtet auf zweite amtszeit

Luc Tardif geht. Der IIHF-Präsident wird sich im Oktober nicht erneut zur Wahl stellen und damit das höchste Amt des Eishockey-Weltverbandes nach fünf Jahren freiwillig räumen. Die Nachricht schlug am Sonntag wie ein Bombeneinschlag in die internationalen Büros ein, denn intern galt der 73-Jährige als sicherer Kandidat für eine zweite Runde.

„Ich glaube, dass es Zeit für eine neue Führungspersönlichkeit ist“, ließ der Franzose über den Verband verlauten. Keine Ausreden, kein Machtkampf – nur ein knapper Satz, der eine Ära beendet. Für Tardif, der 2021 den Deutschen Franz Reindl ausgestochen und legendären Schweizer Rene Fasel abgelöst hatte, ist der Schritt eine Frage des Stils. „Nach 25 Jahren im Dienst der IIHF-Familie bin ich unglaublich stolz“, heißt es weiter. Stolz – und offenbar auch satt.

Der kanadier mit französischem pass und globaler agenda

Kanada ist seine Heimat, Frankreich sein Verband, die Welt sein Arbeitsplatz. Tardif, geboren in Kanada, spielte selbst auf europäischen Eisflächen, bevor er zum Schatzmeister und schließlich zum Präsidenten der IIHF avancierte. Unter seiner Führung wuchs die Umsatzzahl des Verbands, die WM-Einnahmen stiegen trotz Pandemie-Delle wieder auf über 120 Millionen Schweizer Franken pro Jahr. Doch die nächste TV-Runde, die nächste Sponsorengeneration – das will er nicht mehr mitgestalten.

Intern heißt es, Tardif habe die Geschäfte so stabil hinterlassen, dass ein Generationswechsel ohne Bruch möglich ist. Die Lizenzverträge mit der Infront-Gruppe laufen bis 2031, die Champions Hockey League ist aus der Insolvenz zurückgeholt, und die Frauen-WM wurde erstmals mit 16 Teams ausgetragen. Dennoch: Die Stimmen aus dem Exekutivrat werden lauter, die Hälfte der Delegierten unter 55 zu halten, war eines seiner stillen Versprechen. Jetzt muss sich zeigen, wer dieses Versprechen einlöst.

Machtvakuum im herbst – favoritenkreis nimmt gestalt an

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Der offizielle Wahlparteitag findet im tschechischen Prag statt, zwischen WM-Viertelfinale und Halbfinale wird abgestimmt. Noch ducken sich potenzielle Nachfolger. Doch hinter den Kulissen kursieren drei Namen: der Schweizer Reto Wittwer (aktuell Vizepräsident Finanzen), der Finne Kalervo Kummola (langjähriger Machersenior) und – als Sensation – Debütant Franz Reindl, der 2021 gegen Tardif verlor und sich seither als Vizepräsident Sport profiliert hat. Für Reindl wäre es die Revanche, für die IIHF ein deutschsprachiger Schwenk.

Die Uhr tickt. Bewerbungen sind bis 15. Juli offiziell einzureichen, danach startet die heiße Phase. Wer auch immer gewinnt, er tritt die Nachfolge eines Mannes an, der sich selbst als „Übergangs-Präsident“ bezeichnet – und nun tatsächlich übergibt. Die Frage ist nur: Übergibt er an einen Gleichaltrigen oder an einen 55-jährigen Quereinsteiger, der die Verbände neu erfinden will?

Tardif selbst will sich zurückziehen, nicht zurückfallen. „Ich setze mich für einen reibungslosen Übergang ein“, betont er. Und dann? Ein Platz im Ehrenrat, vielleicht ein Beraterposten bei der NHL, die seit Jahren mit der IIHF über Olympia-Teilnahme verhandelt. Erst einmal aber heißt es: Abschied. Nach 25 Jahren Dienst, nach fünf Jahren an der Spitze, nach einem Sommer, der die Eishockey-Welt neu vermessen wird. Die Pucks liegen bereit, der Wechsel beginnt.