Tardelli: mehr europäische mannschaften würden den fußball verbessern

New York – Marco Tardelli, italienische Fußballlegende und Weltmeister von 1982, hat sich in einem Gespräch in New York kritisch über die aktuelle Entwicklung des Weltfußballs geäußert. Der ehemalige Mittelfeldspieler, der heute als Experte für die RAI arbeitet, sieht dringenden Handlungsbedarf, insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Ausdehnung des Turniers und die veränderten Wettbewerbsbedingungen.

Die weltmeisterschaft: ein schatten des alten glanzes?

Tardelli, der drei Weltmeisterschaften unter Enzo Bearzot erlebte, beklagt den Verlust von Glaubwürdigkeit und Qualität. "Es ist ein bisschen einfach geworden, auch in dieser Phase weiterzukommen," so der 78-Jährige. Die Erweiterung der WM auf 48 Teams habe zwar die Möglichkeit für mehr Mannschaften eröffnet, jedoch die durchschnittliche Qualität der Spiele gemindert. Das Turnier, einst ein Gipfeltreffen der besten Mannschaften, verliere an seinen ursprünglichen Reiz.

Ein Umdenken ist nötig, findet Tardelli. Er plädiert für eine stärkere Beteiligung europäischer Mannschaften, um für mehr Ausgeglichenheit und mehr Spannung zu sorgen. "Mehr europäische Mannschaften würden alles anders machen“, betont er.

Die italienische fußballschule: eine frage der neuausrichtung

Die italienische fußballschule: eine frage der neuausrichtung

Auch die italienische Liga müsse sich dringend neu erfinden, so Tardelli. Obwohl Italien keineswegs chancenlos sei, sei die Qualität des Spiels nicht mehr mit der von früher vergleichbar. Die italienischen Vereine müssten sich wieder stärker auf die Entwicklung junger Talente konzentrieren und die traditionellen Stärken des italienischen Fußballs wieder zum Vorschein bringen. "Es geht nicht nur um die Weltmeisterschaft, sondern um den gesamten Fußball. Es ist überall so geworden: In der Champions League spielen nun alle, nicht mehr nur die Besten.“

Die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs und die Einflüsse von Sponsoren werden von Tardelli kritisch gesehen. Er hinterfragt die Notwendigkeit von Trinkpausen bei Regen und kritisiert die politische Einflussnahme auf sportliche Entscheidungen, wie im Fall des somalischen Schiedsrichter, der aus den USA zurückgeschickt wurde.

Tardelli erinnert an die glorreichen Zeiten des italienischen Fußballs, als die Weltmeisterschaft das höchste Ziel für jeden Spieler war. Er würdigt die Leistungen von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, die trotz ihres hohen Alters immer noch Höchstleistungen erbringen. Aber er warnt: "Man muss sich den Verhältnissen anpassen, aber die Tradition und die Werte des Fußballs dürfen nicht verloren gehen.“

Die jüngsten Ausschreitungen zwischen argentinischen und algerischen Fans zeigen, dass die Gewalt im Fußball noch lange kein Thema der Vergangenheit ist. Tardelli mahnt: „Solche Szenen dürfen im Fußball niemals vorkommen.“

Die Worte des Weltmeisters sind ein Weckruf für den Fußball: Es braucht eine Rückbesinnung auf die Wurzeln des Sports, eine stärkere Betonung der sportlichen Leistung und eine Abkehr von der zunehmenden Kommerzialisierung. Nur so kann der Fußball seinen ursprünglichen Zauber bewahren.