Syntainics mbc plantzt nach berlin-knaller nach groningen
99:68 gegen Alba – und schon sind die Wölfe wieder heiß. Nach dem Debakel-Serie mit 13 Pleiten und dem Brandbrief von Martin Geißler schlug Syntainics MBC zweimal binnen 96 Stunden zurück. Jetzt geht’s nach Groningen, wo am Dienstag (19.30 Uhr) das Viertelfinal-Hinspiel der European North Basketball League wartet. Der Bus rollte knapp 19 Stunden nach dem Berlin-Festival 560 Kilometer Richtung Nordsee – mit nur einer Mission: den Schwung retten.
Geisslers brandbrief war der zündfunken
Der offene Brief des geschäftsführenden Gesellschafters war kein PR-Gag, sondern ein kalkulierter Schock. Geissler forderte „Attacke statt Arsch-backen“ und warf seine Mannschaft vor, den Klassenerhalt zu verspielen. Die Antwort folgte auf dem Parkett: 98:83 gegen BK Olomoucko, 99:68 gegen Alba – beide Spiele mit über 50 % Feldwurfquote, 28 Dreiern gesamt und einem Akeem Vargas, der endlich wieder wie ein All-Star aussah.
Doch Groningen ist kein Berlin. Die Dutch Windmills haben Dane Erikstrup – 2,06 m, 22 Punkte, 9 Rebounds, 2,7 Steals im Schnitt – im Kern. Der 25-jährige Däne ist Topscorer, bester Rebounder und bester Balldieb zugleich, ein Schweizer Taschenmesser in Sneakern. In der Hauptrunde gewann Weißenfels daheim nur mit 106:104, nach 32 gelandeten Dreiern auf beiden Seiten. Die Defense war damals ein Schweizer Käse – 104 kassierte Punkte sprechen Bände.

Bogicevic setzt auf kopf statt beine
Headcoach Milenko Bogicevic redet lieber über Psyche als über Spielpläne. „Müdigkeit steckt nur in den Köpfen“, sagt er vor dem Abflug. „Wenn wir die Köpfe frei kriegen, verschwindet auch die Müdigkeit.“ Klingt nach Motivations-TED, ist aber bitter nötig: Drei Spiele in fünf Tagen, 1.120 Kilometer Busfahrt, dazu die Drangsalierung durch die Basketball-Bundesliga, in der Weißenfels weiter auf Abstiegsplatz klebt.
Die Rechnung ist simpel: Gewinnt der MBC beide Partien gegen Groningen, ist das Final-Four-Turnier (21.–23. April) in Reichweite – und die eigene Stadthalle winkt als Austragungsort. Ein kleiner Klub, ein großes Event: das könnte die Lizenz-Zukunft sichern und Sponsoren locken, die sonst nur die großen Namen auf dem Schirm haben.
Die Fans haben schon reagiert: 1.800 Tickets für das mögliche Rückspiel am 25. März sind restlos weg, die Stadthalle wird zum Kessel. Doch vorher muss in Groningen erst mal ein Auswärtssieg her – und der kommt nicht von allein. Die Quote liegt bei 2,65 gegen Weißenfels, ein Wink mit dem Zaunpfahl aus Las Vegas.
Die Wölfe wissen: Ein Aufschrei reicht nicht. Wer nach 13 Niederlagen plötzlich wieder träumen will, muss auf fremdem Parkett beweisen, dass der Höhenflug kein Luftloch war. In Groningen zeigt sich, ob der Brandbrief wirklich ein Neuanfang war – oder nur eine letzte Lunte, bevor das Licht ausgeht.
