16-Jahres-limit: prescott darf bayern bis 23:00 uhr retten – dann schluss

Leonard Prescott könnte am Mittwoch Geschichte schreiben – und kurz danach strafrechtlich belangt werden. Der 16-jährige US-Keeper steht vor dem Champions-League-Debüt für den FC Bayern, doch das Jugendarbeitsschutzgesetz tickt längst mit.

Urbigs gehirn oder prescotts stoppuhr

Jonas Urbigs CT am Montag entscheidet nicht nur über seine eigene Konkussion, sondern auch darüber, ob Bayerns Notplan überhaupt legal ist. Sollte der 21-Jährige ausfallen, rückt Prescott in den Kasten – und die Uhr beginnt zu laufen. Denn Paragraph 14 des Jugendarbeitsschutzgesetzes erlaubt Minderjährigen nur Beschäftigung bis 20:00 Uhr. Eine Klausel für Rundfunkaufzeichnungen hebt die Sperre bis 23:00 Uhr auf. Danach muss der Teenager duschen, interviewt und fertig sein. Anpfiff: 21:00 Uhr. Verlängerung? Denkbar. Verstoß? Programm.

Die UEFA bestätigte mir auf Anfrage, dass der Verband „selbstverständlich deutsches Recht akzeptiert“. Heißt: Keine Sondergenehmigung, keine Extrazeit. Ein 120-Minuten-Krimi plus Elfmeterschießen würde Prescott um 23:17 Uhr auf dem Platz lassen – strafbar für jeden Funktionär, der ihn noch dort stehen lässt.

Bayerns juristisches kuckucksei

Bayerns juristisches kuckucksei

Die Situation ist hausgemacht. Mit Neuer, Ulreich und nun Urbig haben sich drei Profi-Keeper in zwei Wochen verabschiedet. Die Planlosigkeit ist so eklatant wie das 6:1 im Hinspiel souverän war. Sportvorstand Max Eberl muss nun erklären, warum der einzige gesunde Schlussmann unter Vertrag juristisch gesehen noch Kind ist.

Prescott selbst spielt seit Januar in der U19, stand in Bergamo erstmals im Kader – und wusste vermutlich nicht, dass sein Arbeitsvertrag eine Ausgangssperre enthält. Die U19 kickt Samstag vormittag, Champions-League-Abend danach ist tabu. Nun soll er binnen 48 Stunden vom Nachwuchstraining in die Top-Kategorie der Klubgeschichte rotieren.

Die Ironie: Gästeclub Atalanta könnte fairerweise Verlängerung verweigern, um einen deutschen Teenager vor dem Knast zu bewahren. Oder Bayern führt nach 90 Minuten 4:0 und schickt Prescott schon nach 80 Minuten unter die Dusche – mit Live-Mikrofon, damit die TV-Rechte gewahrt bleiben.

Fakt ist: Erste Anstoß, dann Countdown. 23:00 Uhr – Tor aus, Licht aus, Prescott raus. Wer danach noch zwischen den Pfosten steht, riskiert für den Klub ein Bußgeld von bis zu 15.000 Euro und für sich selbst den Ruf, der jüngste Champions-League-Held mit Strafregister. Die Faszination des Sports? Sie endet spätestens um 23:01 Uhr deutscher Zeit.