Sverre olsbu röiseland: krebs-schock nach olympia – dsv-coach kämpft zurück
Nur Tage nach dem enttäuschenden Olympia-Abschluss der deutschen Biathlon-Frauen trifft den nächsten Schlag: Sverre Olsbu Röiseland, 35, Co-Trainer des DSV-Teams, erfuhr, dass er an Hodenkrebs erkrankt ist. „Die schlimmste Nachricht meines Lebens“, schrieb der Norweger auf Instagram – und kündigte gleich an: Er wird beim Weltcup in Otepää wieder dabei sein.
Der plan war ruhe, die realität ist chemotherapie
Statt mit seiner Familie in Molde die Seele baumeln zu lassen, saß Röiseland auf dem CT-Tisch. Die Operation verlief laut DSV „erfolgreich, ohne Metastasen“, doch der Krebs zwingt ihn nun in eine Zwangspause, die niemand kommen sah. Die Athletinnen um Vanessa Voigt und Janina Hettich-Walzhatten sich gerade erst mit leeren Händen von Mailan/Cortina verabschiedet – und erfuhren nun, dass ihr Technik-Guru selbst kämpft.
Für den Verband ist es der zweite personelle Rückschlag innerhalb eines Monats. Nach dem Rücktritt von Franziska Preuß und der verpassten Medaille durch die Frauen wirkte Röiseland wie der Mann, der die Scherben zusammenfegen sollte. Stattdessen muss Chefcoach Kristian Mehringer die letzten beiden Weltcups ohne seinen wichtigsten taktischen Kopf planen – oder eben mit einem, der zwischen Infusion und Schießtraining pendelt.

Otepää und oslo: terminkalender statt kur
Am 13. und 14. März steht in Estland der vorletzte Weltcup an, danach finalet die Tour in Oslo. Röiseland hat sich vorgenommen, „direkt wieder auf der Bande zu stehen“. Mediziner dürften dagegenhalten: Selbst wenn keine Metastasen gefunden wurden, steht nach so einem Eingriff meist eine Chemotherapie oder zumindest enge Nachsorge an. Der Norweger aber setzt auf Präsenz statt Pause – ein Signal, das seine Athletinnen bewegt.
Der DSV reagierte mit einem kurzen, aber bemerkenswert emotionalen Statement: „Das sind nicht die Nachrichten, die wir teilen wollen.“ Die Formulierung klingt, als hätte man die Nachricht selbst erst erfahren, als sie bereits öffentlich war. Intern herrscht tiefes Raunen: Wer springt ein, wer übernimmt Video-Analysen und Ständeschießen, wenn Röiseland mal wieder auf dem Untersuchungsstuhl statt auf der Schießstand-Brücke sitzt?

Der preis des leistungssports
Röiseland wechselte 2022 vom norwegischen Verband zur deutschen Mannschaft – als Spezialist für die Skitechnik, als Mann, der Tiril Eckhoff und Marte Olsbu Röiseland (seine Cousine) zu WM-Titeln verholfen hatte. Seine Aufgabe: Deutschlands Läuferinnen wieder aufs Podest bringen. Nun kämpft er erst einmal für sich selbst. Die Ironie ist kaum zu überhören: Der Coach, der Leistung verlangt, muss sich selbst Geduld verordnen.
Für die Skiwelt bedeutet das: Ein Verband, der ohne Medaille aus Mailand kam, muss die Saison ohne einen seiner wichtigsten Köpfe beenden. Für Röiseland heißt es: Die nächsten Termine stehen nicht auf der Weltcup-Liste, sondern im Onkologie-Kalender. Trotzdem will er nach Otepää – nicht als Patient, sondern als Coach. Wenn das kein Statement ist, dann weiß ich nicht, was Sport ausmacht.
