Forster fliegt raus: super-g-drama zerstört deutschen traum von gold-double

Anna-Lena Forster hatte den Schwung, die Linie, den Speed – und dann nichts. Nach 40 Sekunden Perfektion auf der „Olympia delle Tofane“ wurde ihr Monoski zu luftig, ein Tor flog vorbei, mit ihm die zweite Goldmedaille. 1:17,82 Minuten fuhr später jubelte Audrey Pascual Seco, während Deutschlands Abfahrts-Königin nur noch den Kopf schüttelte.

Die sekunde, die alles zerstörte

Forster selbst lieferte die Analyse, noch bevor die Spanierin überhaupt durchs Ziel fuhr: „Zu weit gesprungen, keine Chance.“ Die 30-Jährige hatte Secos Zwischenzeit bereits unterboten, doch ein Sprung nach dem Flachstück trieb sie aus der Ideallinie. Das linke Tor raste vorbei, die Favoritin raus. Ke Protest, keine zweite Chance – Super-G ist gnadenlos.

Seco, erst 21 und in Peking noch Silber hinter Forster, verwandelte ihre Revanche in Gold. Mit 6,32 Sekunden Vorsprung vor Momoka Muraoka, die trotz Schlüsselbein-OP zurückkehrte, und 7,09 Sekunden vor Chinas Sitong Liu schob sich die Spanierin in die erste Reihe der neuen Para-Ski-Generation.

Forsters bittere erkenntnis: super-g blebt ihr albtraum

Forsters bittere erkenntnis: super-g blebt ihr albtraum

Trotz Silber vor vier Jahren bezeichnet die Bad Wiesseerin den Super-G immer noch als „meine wohl schwierigste Disziplin“. Das mag verwundern, ist aber logisch: Die Kombination aus Tempo 90, flachen Passagen und abrupten Richtungswechseln schmeckt Monoski-Fahrern, die auf Kurven- statt auf Flug-Physik setzen, selten. Forster hat sich trotzdem nie aus dem Rennen genommen – bis heute.

Doch sie zeigt keine Selbstmitleid. „Ich werde morgen wieder Gas geben“, sagt sie mit Blick auf die Super-Kombination. Dort startet sie als Titelverteidigerin, dort liegt ihre Stärke. Technik statt Speed, Slalom statt Sprung. „Die nächsten drei Rennen sind meine Welt“, flüstert sie und meint: Gold ist noch drin.

Die medaillen-verteilung verändert das klassenzimmer

Die medaillen-verteilung verändert das klassenzimmer

Mit Forsters Aus verliert das deutsche Team seine sicherste Medaillenquelle. Seco, Muraoka und Liu haben bewiesen: Die Vormachtstellung der 30-Jährigen ist angeknackst. In Cortina zählt plötzlich wieder Jugend, Risiko, neue Linien. Forster muss nun liefern – oder für immer die Dominanz verlieren.

Die Uhr tickt: Super-Kombination Dienstag, Slalom Donnerstag, Riesenslalom Samstag. Drei Starts, drei weitere Shot auf Gold. Forster selbst hat die Rechnung schon gemacht: „Fünf Rennen, fünf Gold“ war der Plan – jetzt bleiben noch drei. Die Jägerin ist zur Gejagten geworden. Und sie hasst es.