Suton nach pokal-bronze: „wir hätten auch im finale stehen können“

35:31 gegen SC Magdeburg – der TBV Lemgo Lippe packt den Pokal-Dreiklang und lässt Köln mit Metall, nicht mit leeren Händen. Doch Kapitän Tim Suton trägt neben der Medaille auch eine kleine Beule im Gepäck: die Gewissheit, dass das Finale greifbar war.

Die abwehr war ein betonblock – und möstl der türsteher

16:15 zur Pause, 35:31 am Ende – die Zahlen wirken knapp, der Eindruck war es nicht. Lemgo stellte Magdeburg schon in der ersten Hälfte ein Tempolimit, hinten blockte ein Viererketten-Pressing, vorne verwaltete Suton mit acht Treffern das Feuer. „Wir haben Magdeburger Maßstäbe gesetzt“, sagt er, „nur 31 Gegentore gegen diesen Angriff – das ist ein Handball-Wunder.“

Torhüter Constantin Möstl wurde dafür zum „Spieler des Spiels“ gekürt, parierte 14 Würfe, darunter drei Siebenmeter. Seine Siebenmeter-Quote von 43 % ist seit 2019 keine bessere mehr gelungen. „Wenn der Mann zwischen den Pfosten so aufsteht, glaubt jeder Feldspieler an Unbesiegbarkeit“, erklärt Suton.

20 000 Fans erzeugten eine druckwelle – und einen hauch von was-wäre-wenn

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Die LANXESS arena bebte, die Lemgo-Fans skandierten „Nur noch zwei“ – und meinten damit nicht die Sekunden, sondern die Tore bis zum Finale. Dann kam Berlin. Die Füchse schlichen im Halbfinale wie Diebe durch die Nacht und stahlen mit 28:27 die Tickets. „Ich hab’s sofort wieder im Kopf“, gesteht Suton, „dieser eine Ballverlust, diese eine technische Fehlentscheidung. Kleinigkeiten, die Köln in Silber verwandeln.“

Statt Silber folgte Bronze, doch der Kapitän verbiegt sich keine Sekunde: „Wenn du schon im kleinen Finale stehst, willst du gewinnen. Alles andere wäre ein Scherbenhaufen.“ Das 35:31 verhindert genau das. Es ist der höchste Sieg im Spiel um Platz 3 seit Einführung der Final-Four-Variante 2019.

Die botschaft aus ostwestfalen: wir kommen wieder – und nächstes mal ohne umweg

Die botschaft aus ostwestfalen: wir kommen wieder – und nächstes mal ohne umweg

Trainer Florian Weber schickt die Truppe direkt in die Video-Session. „Wir müssen das jetzt schnell aufarbeiten“, sagt er, „die Fehler sind katalogisiert, die Energie aber noch da.“ Für Suton steht fest: „Dieser Pokal ist kein Trost, sondern eine Ansage. Wir gehören nach vorn.“

Am Ende bleibt ein Foto: Suton mit der Bronzemedaille im Nacken, Möstl mit der Trophäe „Spieler des Spiels“ in der Hand, dahinter die Lemgo-Fans, die „Nur noch eins“ rufen – gemeint ist der nächste Cup. Die Reise nach Köln war ein Aufgalopp. Nächstes Mal wollen sie das Finale nicht nur streifen – sie wollen es entreißen.