Summer kehrt zurück und jagt altachs erste meistergruppe – mit einem kader, der sich längst verabschiedet hat

Bernhard Summer sitzt wieder auf der Bank, die Koffer seiner besten Torschützinnen stehen längst in Berlin, Jena, Essen oder Zürich. Trotzdem könnte der SCR Altach am Sonntag gegen Serienmeister St. Pölten den größten Erfolg der Klubgeschichte perfekt machen: den Einzug in die Meistergruppe der ÖFB-Frauen-Bundesliga.

Too small country: vorarlberg verliert seine goalgetterinnen

Die Statistik ist brutaler als jede Niederlage. Altachs Top-Fünf der ewigen Bundesliga-Torjägerinnen trägt heute keine Weste mehr im Schnabelholz. Linda Natter (20, SC Freiburg), Rieke Tietz (24, USV Jena), Maria Agerholm Kirchmann (25, SGS Essen) – alle weg. Dazu Eileen Campbell (Union Berlin) und Brigitta Pulins (Grasshoppers). «Wie hat Gorbach einst gesagt? The world in Vorarlberg is too small», zitiert Summer den Ex-Vizekanzler und lacht, weil Weinen nichts nützt.

Die Logik ist simpel: Eine Autostunde Richtung Bodensee, und schon klopfen größere Budgets an die Kabinentür. «Finanziell können wir mit Klubs aus der Ostschweiz oder Südbaden nicht mithalten», sagt Summer. «Bei den Frauen sind wir eben ein kleiner Verein.» Kleiner, aber mit großer Taktik: Er setzt auf ein Future-Team, das Talente aus der Region hochzieht, bevor sie irgendwann doch abheben.

Kofler und steenhuis: heimkehrerinnen mit signalwirkung

Kofler und steenhuis: heimkehrerinnen mit signalwirkung

Julia Kofler kehrte im Winter von AaFK Fortuna zurück, Torfrau Zoe Steenhuis aus Portugal folgte. Kofler, 15 Tore in 60 Bundesliga-Spielen, ist Altachs Sechste der ewigen Liste – und Summers Allzweckwaffe: Wing-Back, Acht, Neuner, alles drin. «Ihre Flanken sind gefürchtet», schwärmt der Coach. Steenhuis wiederum sichert die Zukunft, falls Stammkeeperin Stella Busse mal pausiert.

Die beiden sind keine Retterinnen, aber Symbole: Gehen kann man, zurückkommen darf man auch. «Wir wollen zeigen, dass sich ein Weg nach vorne nicht nur über den Exit, sondern auch über den Heimweg eröffnen kann», sagt Summer.

Fernduell mit salzburg: drei punkte vorsprung, aber angst vor dem torverhältnis

Fernduell mit salzburg: drei punkte vorsprung, aber angst vor dem torverhältnis

Der Grunddurchgang platztfüllt die Tabelle mit Dramatik. Altach führt vor Red Bull Salzburg, doch bei Punktgleichheit entscheidet das direkte Duell – und das endete 1:1. Salzburg spielt Samstag gegen die Austria, Altach empfängt Sonntag St. Pölten. «Es wird ein Fotofinish», prophezeit Summer. Seine Rechnung: Sieg gegen St. Pölten, dann Punkte in Wien und gegen Sturm Graz. Alles andere wäre Pokern.

Die Aufgabe gegen St. Pölten ist gewachsen. Unter Laurent Fassotte kombiniert der Meister schneller, spielt sich früher frei. «Wir brauchen einen richtig guten Tag und vor dem Tor Effizienz», fordert Summer. Zwei Dinge, die Altach in der Geschichte gegen St. Pölten nur zweimal hatte: ein 1:0 im Mai 2023, ein 1:1 im September 2023. Mehr gab’s nicht.

Die Meistergruppe lockt mit TV-Licht, mit Sponsorengeldern, mit dem Saisonziel, das größer wäre als jede Transferwelle. «Wenn wir es schaffen, haben wir bewiesen, dass Kleinheit keine Frage der Geografie, sondern der Mentalität ist», schließt Summer. Dann winkt vielleicht noch ein letztes Tor für Julia Kofler – bevor auch sie irgendwann das Schnabelholz in den Rückspiegel rückt.