Struber kapituliert: bristol city stürzt in die championship-angst

498 Fans fuhren 200 Kilometer, sahen 45 Minuten katastrophalen Fußball und erlebten, wie ihr Klub vor ihren Augen auseinanderbricht. Bristol City verlor 0:2 in Leicester – die vierte Pleite nacheinander, das Aus im FA-Cup gegen einen Drittligisten steckt noch in den Knochen. Die eigene Fanszene reagierte mit Schweigen, dann mit Buh-Rufen. Trainer Gerhard Struber stand nach Abpfiff am Rand des Auswärtsblocks und bat um „Zusammenhalt in einer wirklich schwierigen Zeit“. Seine Stimme zitterte.

Struberball? das label klingt wie hohn

Vor drei Monaten noch feierte der Österreicher ein System, das er selbst als „leidenschaftlich, sexy und ausbalanciert“ bezeichnete. Nun wirkt jede Passphrase aus dieser Zeit wie ein Satire-Sketch. Gegen Leicester lag seine Mannschaft nach 27 Minuten 0:2 zurück, beide Gegentore resultierten aus individuellen Fehlern und kollektiver Orientierungslosigkeit. Max Bird, erstmals in dieser Saison von Beginn an aufgeboten, wurde zur Pause ausgewechselt – ein Eingeständnis Strubers, dass seine Aufstellung falsch war. „Wir brauchten ein anderes Profil“, sagte er knapp.

Die Statistik ist brutal: seit sieben Spielen kein Sieg, seit fünf Partien kein eigenes Tor in der ersten Halbzeit, nur 29 Prozent der möglichen Punkte seit Jahresbeginn. Die Play-off-Ränze rücken in 14 Punkte Distanz, Realismus sieht anders aus.

Tomi horvat rettet die ehre – und das war’s

Tomi horvat rettet die ehre – und das war’s

Einzig Tomi Horvat entkam dem Schlamassel mit halbwegs intakter Reputation. Der slowenische Nationalspieler setzte mit einem Traumpass auf Emil Riis Jakobsen den einzigen Hoffnungsschimmer der ersten Hälfte, der Stürmer holte den Elfmeter heraus – und schoss ihn anschließend an die Latte. Horvat selbst sammelte seit seinem Wechsel zwölf Einsätze, zwei Assists in den ersten beiden Spielen, danach nichts mehr. Bei Bristol Live gab es trotzdem eine 6 als Note – schon weil der Rest noch schlechter aussah.

Struber versuchte nach dem Spiel, die Wut der Anhänger zu entschärfen. „Ich nehme die Verantwortung komplett auf mich“, beteuerte er. Doch die Frage, ob die Verantwortung reicht, wenn die Mannschaft weiter wie ein Haufen Fremde wirkt, bleibt offen. Intern sickert durch, dass die Kabine in zwei Lager zerfällt – alteingesessene Briten versus Sommer-Neuzugänge aus dem deutschsprachigen Raum. Die Kommunikation auf dem Platz klingt dementsprechend: laut, hektisch, ziellos.

Nächste woche nach middlesbrough – die reise wird kürzer

Nächste woche nach middlesbrough – die reise wird kürzer

Am Samstag geht es nach Middlesbrough, 400 Kilometer, Tabellenzweiter, Heimstärke: acht Siege in den letzten neun Partien. Bristol City hat auswärts zwei Zähler seit November geholt. Die Fan-Initiative „Robins on Tour“ kündigte an, „keine zwei Busse voll“ zu organisieren. Die Kilometer werden kürzer, weil sich immer wenige die Qual antun wollen. Die Zahl 498 wird wohl eine Weile Rekord bleiben – ausgerechnet in einem Spiel, das die Saison endgültig auf Abstiegskurs schickt.

Struber sprach von „kleinen Schritten“. Aktuell wirkt jeder Schritt wie ein Bock, und die Treppe führt nach unten. Die Championship ist kein gnädiger Ort. Bei Bristol City beginnt der Abstiegskampf am Leihschreibtisch – und nicht mehr an der Play-off-Tür.