Streik legt münchen lahm: bayern-spiel droht verkehrschaos

Der FC Bayern muss am Mittwochabend gegen Atalanta Bergamo ran – und die Stadt schaltet den öffentlichen Nahverkehr ab. Verdi verschiebt den Warnstreik auf Mittwoch, 11 Uhr. Die Folge: U-Bahnen bleiben in den Depots, Straßenbahnen stehen still, Busse fahren nur sporadisch. 70.000 Arena-Gäste müssen sich auf ein Schlagerspiel ohne Schlager vorbereiten.

Die allianz arena wird zur insel

Der Anpfiff in der Champions League ist auf 21 Uhr terminiert, doch schon ab dem späten Vormittag rollt in München kaum noch ein Rad. Die Gewerkschaft will Druck auf die Arbeitgeber aufbauen – und genau diesen Druck spüren nun auch die Fans. Wer mit der U6 nach Fröttmaning will, muss Glück haben. Die Linie ist betroffen, wie alle anderen auch. Nur wer zu Fuß oder per Fahrrad anreist, kann sicher sein, pünktlich im Stadion zu sein.

Verdi-Sprecher Haris Softic versucht zu beschwichtigen: „Wir bestreiken nicht die Menschen, sondern wollen an die Arbeitgeber ein starkes Signal senden.“ Die Botschaft ist angekommen – beim Münchner Fußballpublikum. Die Erinnerung an das Pokal-Viertelfinale gegen Leipzig sitzt tief. Damals war es der MVG gelungen, eine Sonder-Taktung auf der U6 zu fahren. Diesmal ist sie offiziell Teil des Streiks, ein Trostangebot gibt es nicht.

Volle kraft voraus – nur nicht in den tunneln

Volle kraft voraus – nur nicht in den tunneln

Die Verkehrsbetriebe sprechen von „Einschränkungen“ und „nicht planbarem Fahrplan“. Das klingt nach Understatement. In der Praxis bedeutet das: Fernsehkameras werden leere Bahnsteige zeigen, während in der Arena ein Vollhaus erwartet wird. Die Organisatoren prüfen derzeit, ob zusätzliche Shuttle-Busse vom Park-and-Ride-Platz in Garching eingesetzt werden können. Ob die Fahrer überhaupt zur Arbeit kommen, steht auf einem anderen Blatt.

Die Streikenden streiken bis Freitag 4 Uhr. Für die Fans ist das Spiel aber schon am Mittwochabend. Die Konsequenz: Viele werden mit dem Auto anreisen, was die Autobahnen rund um die Stadt verstopft. Die Polizei rechnet mit Staus bis nach Landshut. Und wer dann endlich an der Arena ankommt, steht vor verschlossenen Toren – denn auch das Sicherheitspersonal kommt per ÖPNV.

Am Ende steht eine Frage, die weit über München hinausweist: Wie viel Sportvergnügen verträgt eine Stadt, deren Herz wegen Tarifkonflikten kurzfristig stillsteht? Die Antwort liefert der Countdown bis 21 Uhr – Stunde für Stunde, Kilometer für Kilometer. Kein Fan wartet auf den Sieg, alle warten auf ein Signal: dass wenigstens eine S-Bahn rollt.