Straubing wartet: eisbären-coach aubin fordert „kampf um jeden zentimeter“
Sie kennen sich, sie fordern sich, sie lieben es. Nach drei Jahren wiederholen sich Berlin und Straubing im Viertelfinale. Serge Aubin zuckt nicht: „Es wird eng, es wird brutal – und es wird Spaß machen.“
Das duell, das nie endet
Seit 2022 stehen sich die Eisbären und die Tigers jeden Frühling gegenüber. Die Bilanz: zwei Siege für Berlin, einmal Straubing. Die Botschaft: egal. „Playoffs löschen die Tabelle“, sagt Aubin. Seine Spieler sprechen lieber von Revanche. Die Tigers haben in der Hauptrunde drei der vier Duelle gewonnen – alle mit nur einem Tor Differenz. Das schweißt. Das verbittert. Und das erklärt, warum das erste Spiel am Dienstag (19.30 Uhr, live bei MagentaSport) längst als möglicher Kracher gehandelt wird.
Die Zahlen sind unbarmherzig: Straubing traf in der regulären Saison 42 Mal in Powerplay, Berlin kassierte in dieser Serie 14 Unterzahltreffer. Aubin hat das Video geschnitten, die Lücken markiert, die Schlittschuhe gewetzt. Seine Devise: „Wir jagen die Scheibe, nicht den Gegner.“ Das klingt nach Old-School-Hockey, ist aber die einzige Sprache, die die Tigers verstehen. Ihr Coach, Tom Rowe, setzt auf tiefes Vorchecken und schnelle Umschaltmomente. Wenn Berlin drei Sekunden zögert, liegt die Scheibe schon in ihrem Tor.

Fünf siege am stück – nur ein vorspiel
Die Eisbären beendeten die Hauptrunde mit fünf Erfolgen in Serie, holten sich Rang sechs und schlugen München, Köln, Mannheim. Das klingt nach Momentum, ist aber kein Freifahrtschein. „Wir haben gelernt, dass Selbstvertrauen nichts wert ist, wenn du nicht checkst“, sagt Verteidiger Eric Mik. Er spricht aus Erfahrung: 2023 flog Berlin trotz Heimvorteil raus. Die Lektion: Emotion ist gut, Disziplin besser. Die Strafbank darf in dieser Serie nicht zur dritten Mannschaft werden.
Positiv: Mathias la Pappe und Zach Boychuk sind zurück, nach Adduktorenproblemen und grippalem Infekt. Ihre Linien sind komplett, die Special-Teams wieder konkurrenzfähig. Die Frage ist nur: Hält das Tempo über mögliche sieben Spiele? Pulverturm-Atmosphäre hin oder her – Straubing bringt mit Marco Sturm einen Ex-NHL-Center, der in der Offensive jeden Pass sieht, bevor er gespielt ist. Wer ihn stoppt, bestimmt die Serie.

Ticket nach münchen oder saisonende
Gewinner Viertelfinale trifft auf München oder Iserlohn. Das Ziel: Finale, Pokal, ewige Ruhm. Verlierer bekommt Sommerurlaub und Fragen nach dem Warum. Für Berlin bedeutet das: Alles oder nichts. Die letzten beiden Playoff-Ausscheidungen endeten vor leeren Rängen – diesmal sind 14.800 Fans erlaubt, und sie werden laut sein. Serge Aubin weiß: „Wenn wir drei Mal in Folge gegen dieselben Jungs verlieren, redet keiner mehr von Zufall.“
Die Uhr tickt. Am Dienstag fällt der erste Punch. Die Eisbären haben die Schläger gewetzt, die Lungen geöffnet, die Köpfe frei. Jetzt zählt nur noch eins: Straubing bezwingen – oder wieder nach Hause fahren. Die Serie beginnt, die Wahrheit auch.
