Alemannia aachen fegt durch die 3. liga – historie geschrieben, traum lebt

Die Schwarz-Gelben drehen in Ingolstadt auf, siegen zum vierten Mal nacheinander und stellen einen 126-Jahres-Rekord ein. Jugend spielt mit, der Coach bremst – und die Fans fragen sich laut: Ist der Sprung in die 2. Bundesliga plötzlich realistisch?

Mika schroers trifft, faton ademi träumt – und selimbegovic hält die hand aufs feuer

55. Minute, Tief in Bayern. Mika Schroers nimmt den Ball volley, der Netzer zittert – 2:1. Die 400 mitgereisten Aachener explodieren, denn diese Führung bringt das Unmögliche: die erste vier-Sieg-Serie in der dritthöchsten Spielklasse seit der Gründung 1900. Der Treffer macht den historischen Erfolg perfekt, doch im Kabinengang herrscht trotz Jubel Disziplin.

Mersad Selimbegovic atmet tief durch. „Wir hätten das Spiel früher zumachen müssen“, sagt er knapp, als habe er den Schlusspfiff noch im Ohr. Der Bosnier kam Anfang November, damals Platz 15, zwei Zähler über dem Abstieg. Jetzt, Ende März, redet keiner mehr über den Klassenerhalt – sondern über Platz vier. „Ich bin realistisch und kein Träumer“, wirft er ein, doch seine Augen glühen. Die Rückrunden-Tabelle führt Aachen mit 2,18 Punkten pro Spiel – nur Bayern II ist besser.

Dahinter schlendert Faton Ademi, 19, Matchwinner vom Samstag, durch den Mixed-Zone-Korridor. Vor genau einem Jahr debütierte er in Ingolstadt, nun trägt er Tor Nr. 4 und die Hoffnung einer ganzen Region. „Unser Ziel ist klar: jedes Spiel gewinnen“, sagt er, die Stimme noch hell, der Blick schon ruhig. „Dann sehen wir, wo wir stehen. Aber ich hoffe auf Platz vier – oder mit Glück auf Platz drei.“ Die Worte klingen wie ein Versprechen.

Die statistik lügt nicht – und das restprogramm macht mut

Die statistik lügt nicht – und das restprogramm macht mut

44 Punkte, Zehn Zähler Rückstand auf Wehen Wiesbaden – das ist die reale Lage. Doch die Formkurve zeigt nach oben: Sieben Siege, zwei Remis, nur zwei Niederlagen in der Rückrunde. Die Tordifferenz von plus 8 spricht für sich, vor allem, weil Aachen früher in dieser Saison noch mit Nervosität spielte. „Wir denken nicht mehr so viel nach“, erklärt Schroers. „Wir gehen ins Dribbling, proben den Trick, lachen auf dem Platz.“ Befreit ist das Wort, das fällt.

Ostersonntag kommt Wiesbaden an die Tivoli-Sechserkette. Dann geht’s binnen sieben Tagen nach Saarbrücken und gegen Stuttgart II. Ein englische Woche, die über die Saison entscheiden kann. Selimbegovic will die Länderspielpause nutzen, um „Kopf und Beine zu synchronisieren“, wie er es nennt. Die Inhalte bleiben geheim, die Botschaft ist klar: wer aufhört zu investieren, fliegt aus dem Rennen.

Zwischen anspruch und angst – die große ungewissheit

Zwischen anspruch und angst – die große ungewissheit

Die 3. Liga tobt. Dresden patzt, Osnabrück verliert, Ingolstadt ist geschlagen. Kein Club oben zeigt Stabilität – außer Aachen. Genau das macht die Lage so brisant. Die Fans singen bereits „Aufstiegsbanner“-Spott, doch der Verein hält die Füße still. Manager Dirk Thelen will keine Prognose abgeben, die Geschäftsstelle verweist auf den Saisonendspurt. Das ist klug. Denn wer zu früh vom Aufstieg träumt, verliert den Fokus auf die Details, die Selimbegovic tagtäglich einpreist.

Die Wahrheit: Alemannia spielt sich in einen Zustand, der jenseits von Tabellen ist. Sie ist jung, hungrig, unbeirrbar. Und sie hat nichts zu verlieren – außer vielleicht die eigene Geschichte. Wenn sie gegen Wiesbaden gewinnt, schrumpft der Rückstand auf sieben Punkte. Dann wäre der Traum keiner mehr, sondern ein offener Kampf. Die nächsten 270 Minuten werden zeigen, ob 2026 das Jahr wird, in dem der Tivoli wieder zweitklassig glüht. Die Stadt ist bereit, die Mannschaft auch. Die Frage ist nur: hält die Serie? Die Antwort kommt am 5. April um 19:30 Uhr – und sie wird laut.