Stolz startet titel-jagd mit silber-power – zwei norweger lauern

Heerenveen – Jordan Stolz spuckt Eis. Nach seinem Sprint-Silber schraubt der 21-jährige US-Boy im Thialf die Anzeigetafel auf 118,716 Punkte und donnert in Führung. Zwei Norweger, Sander Eitrem und Peder Kongshaug, kleben sich in Schlagdistanz. Die Vierkampf-WM ist zwei Rennen alt, doch schon jetzt riecht die Friesen-Halle nach Finale.

Stolz’ plan: 500-meter-kanalöffner, dann 5.000-meter-grusel

Den Kanal hat er sich gestern selbst gegraben. 34,43 Sekunden über 500 m – Tagessieg. Die 5.000 m dagegen ein Selbstversuch im Schongang: 6.32,97 min, Rang elf. „Ich wollte nur das Minimum rauspressen, ohne zu kollabieren“, sagt er, Atemwolke im Gang. Seine deutschen Wurzeln? „Mein Dad kommt aus Berlin, ich fahre trotzdem für die USA – Deal.“

Die Rechnung geht auf. Denn selbst mit dieser Bauchlandung liegen seine Verfolger 1,15 und 1,33 Sekunden zurück. Eitrem, der Langstrecken-Terminator, wird morgen die 10.000 m in reine Vorstellung verwandeln. Kongshaug, Sprint-Gen mit Ausdauerspritze, könnte Stolz’ Schwäche auf der Doppel-Distanz bestrafen.

Deutsche truppe taumelt – gabriel groß rettet die fahne

Deutsche truppe taumelt – gabriel groß rettet die fahne

Den deutschen Anhang bringt Tag eins fast zum Frostbeulen-Rasen. Gabriel Groß, Sohn von Biathlon-Legende Ricco Groß, rangiert auf Platz zehn. 21 Jahre jung, Olympia-Debüt in Mailand, doch hier zählt nur die Uhr: 120,822 Punkte, 2,1 Sekunden Rückstand auf Stolz. „Ich bin nicht zum Gucken hier, ich will angreifen“, sagt er, während seine Kufen noch qualmen. Dahin dürfen Luca Matteo Stibenz (19.) und Tom Rudolph (22.) erst schielen.

Die große Leere neben ihnen: Felix Maly und Fridtjof Petzold fehlen. Petzold wurde nach seinem Mailand-Outburst suspendiert – „unprofessionelles Verhalten“, so die knappe DESG-Pressemitteilung. Maly verzichtete aus Solidarität. Zwei Laufbahnen, zwei leere Bahnen. Die Verbandsspitze sitzt auf glühenden Stühlen, die Kritik schwappt durchs Social-Media-Eis.

Frauen-trio japan-norwegen-nl bildet spitzen-triangle

Frauen-trio japan-norwegen-nl bildet spitzen-triangle

Bei den Frauen diktiert Miho Takagi das Tempo. Die Japanerin jagt 119,480 Punkte aufs Board, Ragne Wiklund (Norwegen) und Marijke Groenewoud (Niederlande) folgen wie Schatten. Lea Sophie Scholz (16.) und Josie Hofmann (19.) müssen sich mit Nebenrollen begnügen. Die deutsche Staffel verpasst das Podest-Foto, die Medaillen bleiben im Norden.

Heute um 14.16 Uhr fliegen die 1.500-m-Startpistolen, um 16.06 Uhr folgt der 10.000-m-Mordsschlag. Stolz braucht auf der Mitteldistanz einen Top-3-Lauf, dann darf er die Langstrecke im Schutzraum fahren. Die Frage ist nicht, ob er kann – sondern, ob er’s wieder tut. Die Uhr tickt, das Eis pulsiert. In Heerenveen zählt nur, wer zuletzt lacht.