Stage meidet die tabelle wie das virus: „mein kopf wird müde vom rechnen“
Jens Stage hat die Schnauze voll. Vom Rechnen, von Fragen, vom Grübeln. „Dein Kopf wird so müde, wenn du den ganzen Tag auf die Tabelle guckst“, sagt der Däne und schlägt mit flacher Hand auf die Kabinenbank. Nach 27 Spieltagen steht Werder Bremen da, wo es in seinen vier Jahren zuvor nie stand: auf Platz 14, nur sieben Punkte über dem Relegationsgraben.
Der 29-Jährige, mit sieben Treffern bester Bremer Schütze, sollte eigentlich am Dienstag wieder auf dem Trainingsplatz stehen. Mannschaftsarzt Dr. Schulze senkte den Daumen. Noch ein Virus, noch eine Zwangspause. Stage guckte stattdessen das 1:0 in Wolfsburg im TV, gelbgesperrt, isoliert. Was sah er? „Viele Szenen, die hätten anders enden können.“ Kurz nach Abpfiff schaltete er ab. Die Erkenntnis: „Punkte sind wichtig, schöner Fußball nicht.“

Stage nennt boniface „größtes potenzial im kader“ – obwohl der stürmer bisher nur lachhaftes lieferte
Victor Boniface flog nach Afrika-Cup-Pein und Kreuzband-Aus schon zweimal aus dem Kader, kehrte dennoch zurück. Stage lacht, als ihn jemand an die 18 Pflichtspiel-Minuten ohne Tor erinnert. „Ich sehe keine negativen Dinge. Vic ist ein cooler Typ, in der Kabine beliebt, und hat vielleicht das größte Potenzial im gesamten Kader.“ Die Worte klingen, als wolle er sich selbst überzeugen. Denn Bremen braucht Tore, nicht gute Laune.
Beim Spiel am Samstag gegen RB Leipzig (15.30 Uhr, Weser-Stadion) dürfte Stage wieder mitwirken. Ohne ihn lief es zuletzt stolpernd, mit ihm lief es stolpernd. Die Krux: „Wenn wir gewinnen, fragen alle nach der Tabelle. Wenn wir verlieren, auch.“ Also meidet er sie. Stattdessen schaut er auf die Uhr, nicht aufs Handy. „Nach dem 34. Spieltag kann man mich fragen, nicht vorher.“
Die Zahlen sprechen trotzdem: Werder holte aus den letzten 13 Partien nur sieben Punkte. Die letzte so magere Serie gab es 2021 – als Stage gerade aus Kopenhagen kam. Er weiß, dass fast nichts mehr zu retten ist, sagt es nur laut nicht. Stattdessen redet er über Boniface, über gute Laune, über den nächsten Tag. Dabei ist klar: Fällt Leipzig, ist die Luft dünner. Fällt Bremen, platzt das Kartenhaus. Stage wird wieder in die Tabelle blicken müssen – ob er will oder nicht.
