St. pölten schockt rapid ii nach 14 sekunden – aufstiegsrennen kippt komplett
14 Sekunden. So schnell war das Spiel am Freitagabend entschieden, bevor die Hälfte der 2.500 Zuschauer im NV-Arena überhaupt Platz genommen hatte. Marco Djuricin nahm Rapid-Keeper Laurenz Orgler Maß, schlenzte aus 22 Metern ins lange Eck – 1:0. 74 Sekunden später jagte Jakob Brunnhofer den Rückpass ins eigene Tor, Orgler grätschte daneben, das Publikum riss die Hände über dem Kopf zusammen. Mit diesem Doppelschlag schob sich SKN St. Pöllen an Spitzenreiter Amstetten vorbei und warf Austria Lustenau sowie den FAC aus dem Tritt.
Orgler und brunnhofer liefern slapstick-krimi in eigener hälfte
Was danach folgte, war kein Fußballspiel mehr, sondern eine Art Live-Dokumentation über Selbstzerfleischung. Rapid II, sonst so temposicher und ballstark, spielte sich in der eigenen Hälfte fest, Orgler schlug zweimal unbedrängt den Ball ins Aus, Brunnhofer stolperte über den eigenen Schatten. Bernd Gschweidl machte das 3:0, wieder war Brunnhofer in der Szene, wieder landete der Ball im Tor – diesmal per Eigentor. Die Statistik wird es als 4:0-Sieg für St. Pölten verbuchen, die Realität war ein 4:0 gegen Rapid-Kopf und Rapid-Knie.
Trainer Christian Mayrleb ließ nach Abpfiff die Kamera laufen, gab kein Interview, sondern pflückte sich seine Spieler nacheinander vom Rasen. „Wir haben sie zerlegt, ohne sie zu respektieren“, sagte Kapitän Michael Huber. „Das ist Mentalität, nicht nur Qualität.“ Die Qualität liegt bei 46 Treffern nach 20 Spielen – Liga-Topwert.

Amstetten patzt, lustenau versinkt – salzburg nutzt die gunst der stunde
Während St. Pölten feierte, rutschte Austria Lustenau auf Platz fünf ab. Gegen First Vienna brachte die Defensive keine Zuordnung zustande, Bernhard Zimmermann nickte zweimal per Kopf ein, Jürgen Bauer erhöhte. 0:3, keine Geste der Gegenwehr, Trainer Klaus Dietrich wollte hinterher „nicht über Einzelfehler sprechen“. Er sprach trotzdem, eine Minute lang, dann verschwand er im Kabinengang.
Die Niederlage von Amstetten war programmiert. Denizcan Cosgun jagte nach 64 Sekunden den Ball zum 0:1, nach der Pause das 0:2. Amstetten spielte, als wäre die Tabellenführung ein Geschenk, das man nicht auspacken will. Der Klub hält sich schon seit Wochen bedeckt, dass ein Aufstieg finanziell nicht geplant ist. Jetzt haben sie Punkte- und Imageverlust in einem Paket.
Der FC Liefering lieferte sich mit Schwarz-Weiß Bregenz ein Schießpulver-Duell: 4:3, drei Elfmetertreffer, zwei Lattenkracher, ein U17-WM-Held (Johannes Moser), der nur die Latte traf. Die Tore fielen im Minutentakt, die Zuschauer vergaßen, dass es nur November ist und nicht Mai.

Der fac verpennt sich – sturm ii trifft spät und eiskalt
Im FAC-Stadion war vor allem eins zu sehen: Verzweiflung. Die Floridsdorfer besaßen 62 Prozent Ballbesitz, schlossen aber nur dreimal halbwehrgefährlich ab. Sturm II brauchte eine Standardsituation, Bastian Maierhofer stieg am zweiten Pfosten hoch und nickte in der 84. Minute das 0:1. Der FAC verliert damit das dritte Heimspiel in Folge, hat drei Punkte Rückstand auf St. Pölten, aber auch ein Spiel weniger. Ob das reicht, wird sich zeigen, wenn die Admira am Sonntag gegen Klagenfurt gewinnt und die Tabelle erneut durchrüttelt.
Die Tabellensituation nach dem 20. Spieltag: Amstetten und St. Pölten punktgleich an der Spitze, dahinter ein Feld aus Verfolgern, das sich nach jedem Spieltag neu sortiert. Die Saison ist noch lang, aber die ersten Nerven liegen blank. Und wer am Freitag dabei war, weiß: Das Aufstiegsrennen ist längst keine Metapher mehr, es ist ein Thriller, bei dem jeder Fehler nachhallt.
