Sneijder schlüpft in utrechts matsch: champions-league-sieger spielt jetzt für osm ’75

Erst Champions-League-Finaltor gegen Bayern, jetzt Asche auf dem Bolzplatz in Maarssen: Wesley Sneijder zog am Samstag nach sieben Jahren Pause wieder Stutzen an – und schnürte für OSM ’75 die Kapitänsbinde. Der 41-Jährige kam in der 70. Minute, 100 Handy-Blitze zuckten, 100 Stimmen brüllten „Wesley, Wesley!“. Das 1:0 gegen Focus ’07 stand, doch das Ergebnis war Nebensache.

Der plan war stillschweigen – das dorf kriegte es trotzdem mit

„Niemand wusste offiziell davon“, sagt Sneijder zum niederländischen Sender Ziggo und lacht, als hätte er wieder den Freistoß gegen Uruguay geschlenzt. Tatsächlich sickerte die Nachricht über WhatsApp-Gruppen und Bruder Rodney durch, der seit Jahren bei OSM ’75 kickt. Ergebnis: Schlange bis zur Bratwurstbude, Autos am Straßenrand wie beim verkaufsoffenen Sonntag. Rekordnationalspieler eben – 134 Länderspiele, aber keine einzige Aktion gegen einen Kreisliga-Raumdecker. Bis jetzt.

Die Idee entstand auf der Geburtstagsparty von Trainer Stephan van der Meer. „Komm mal mit“, hatte Sneijter damals spaßeshalber gesagt. Die Lizenzpapierlage blieb tricky: ehemalige Weltklassespieler müssen auch in der fünften niederländischen Liga gemeldet werden, sonst droht Punktabzug. Also unterschrieb der Mann, der 2010 in Madrid und Johannesburg Trophäen hob, einen Amateurlistenvertrag für 0 Euro und zahlte die 15-Euro-Mitgliedsgebühr wie jeder andere.

„Nach dem abpfiff roch ich wieder nach mannschaftsdusche – das war geil“

„Nach dem abpfiff roch ich wieder nach mannschaftsdusche – das war geil“

Technisch lieferte er das erwartende Lehrvideo: 20 Minütchen, ein durchgestylter Außenristpass, ein Standard wie früher. Doch Sneijder schwärmt nicht von Rücknahme-Dribblings, sondern von der Umkleide: „Die Jungs werfen sich mit Wasser, jemand dreht schlechte Musik auf – das habe ich vermisst.“ Sein Bruder Jeffrey steht als Co-Trainer nebenan und grinst: „Wesley hat direkt die Taktik-Tafel übernommen, klar.“

Ob es bleibt, weiß er selbst nicht. „Ich will keinen Hype, ich will nur kicken“, sagt er und klingt dabei wie ein Teenager, der gerade entdeckt, dass man nach dem Match auch mal ohne TV-Kameras Bier trinken kann. OSM ’75 plant keine Werbeaktion, kein Pay-per-View, kein VIP-Tribünenbau. Vielleicht kommt er nächsten Sonntag wieder, vielleicht nicht. „Wenn meine Knie mucken, bleibe ich Zuschauer. Aber wenn es kribbelt …“ Er zuckt die Achseln, das Bild des jungen Wesley, der 2010 nach dem 0:1 gegen Bayern die Hände in die Luft riss.

Die Zahl des Tages: 134. So viele Länderspiele stehen in seinem Pass. Die neue Amateurlizenz beginnt bei Eins. Champions-League-Sieger, Weltmeister-Zweiter – und jetzt Kreisliga-Kapitän. In Maarssen zählen sie keine Tore mehr, sie zählen Geschichten. Sneijder liefert die nächste.