Sneijder, 41, springt in der vierten liga ein: „warum nicht, wenn ich’s noch kann?“

Wesley Sneijder hat wieder Fußballschuhe gestreift – und das nicht irgendwo: im Amateurstadion von Maarssen, vor 400 Leuten, 20 Minuten vor Schluss. Die Binde um den Arm, der Jubel, die Selfies danach. Ein Champions-League-Sieger in der vierten niederländischen Liga, das gibt’s nicht alle Tage.

Der plan war geheim – die leute kamen trotzdem

Der plan war geheim – die leute kamen trotzdem

„Niemand wusste offiziell davon“, sagt Sneijder beim Ziggo-Mikro, aber das Dorf hatte’s längst geahnt. Handys hoch, WhatsApp-Gruppen glühten, und plötzlich stand der Rekordnationalspieler (134 Einsätze) zwischen zwei Bolzplätzen, statt im San-Siro. Die Schlange nach Abpfiff war länger als die Eckfahne.

Warum OSM ’75? Weil dort Rodney, der jüngere Bruder, noch immer dribbelt und Jeffrey die Co-Trainer-Mappe schwingt. Familienbetrieb pur. Die Idee entstand auf einer Geburtstagsfeier, als der Coach ihn – halb im Spaß – fragte, ob er nicht mal mitlaufen wolle. Sneijder sagte zu, musste sich aber offiziell anmelden, also ran an die Amateurbürokratie. „Eine ziemliche Herausforderung“, gibt er zu, aber das Bein funktioniert, der Blick noch immer diagonal. Ein paar eröffnende Pässe, ein Standard, der fast reingeht – genug, um die Jungs anzufeuern.

Die Frage, ob das ein einmaliger Spaß bleibt, beantwortet er mit einem Schulterzucken. „Fußball ist immer noch der beste Sport“, sagt er und klingt dabei wie ein Fan, der nie gelernt hat, nicht zu spielen. Die Umkleide riecht nach Icy-Hot und Bierdosen, genau wie damals, nur dass die WM-Trophäe diesmal fehlt. Sneijder nimmt’s mit Humor: „Nach dem Spiel mit den Jungs zu sitzen, ist einfach herrlich.“

Die Zukunft? Offen. Aber wenn der 41-Jährige nächsten Sonntag wieder in Maarssen auftaucht, würde es niemanden überraschen. Die vierte Liga hat ihren Star, die Fans ihr Foto – und Sneijder hat bewiesen: Man muss die Schuhe nicht an den Nagel hängen, solange man sie noch schnüren kann.