Italiener entdecken schach: 15 millionen spielen – der boom ist real

15 Millionen Italiener haben mindestens einmal die Hand auf die Uhr gelegt. 3,6 Millionen tun es jede Woche. Die Federazione Scacchistica Italiana (FSI) zieht die Bilanz ihrer neuen Kampagne – und kann die Zahlen kaum fassen.

Die generation z sitzt am brett

Die generation z sitzt am brett

Die Überraschung steckt im Detail. Wer Schach noch für Aschenputtel-Sport hält, wurde laut Studie des Instituts Winpoll eines Besseren belehrt. Unter 18-Jährige und die Gruppe 18 bis 29 treiben den Trend an. Netflix-Serie „The Queen’s Gambit“, TikTok-Partien in U-Bahn-Waggons, Online-Blitzturniere während der Lockdowns – alles Katalysatoren, die dem Hobby zum Durchbruch verhalfen.

Luigi Maggi, Präsident der FSI, rechnet schnell vor: „Wenige Sportarten können eine solche Reichweite vorweisen.“ Maggi will die Zahlen nicht einfach als Statistik abheften. Für ihn sind sie Startschuss, Schach endgültig als Breitensport zu etabieren – mit Lizenzspielern, Vereinsstruktur und staatlicher Förderung.

Die Botschaft dahinter liefert die Agentur Positivo. Daniel Fishman und Mario Manasse sprechen bewusst vom „Erlebnis Schach“, nicht vom „Spiel“. Emotion, Gemeinschaft, Kopf-an-Kopf-Duelle – das soll die Marke transportieren. Die Kampagne startet am 11. März, flankiert von Social-Media-Clips, in denen Großmeister wie Fabiano Caruana Schach als Fitness für die Synapsen verkaufen.

Die Branche rüstet sich. Bretter aus Recycling-Karton, Roll-up-Schachfelder für Parks, Apps, die Partien in AR projizieren – Investoren riechen das nächste eSport-Phänomen. Und die Zahlen lügen nicht: Die Hälfte der neuen Spielerinnen und Spieler kommt laut Umfrage über Handy-Apps zum Sport, der Rest entdeckt ihn im Verein oder im Schulkurs.

Für den italienischen Olympischen Komitee ist der Boom ein willkommener Image-Gewinn. Nach dem Fußball-Europameister-Traum 2021 und dem Tennis-Hype um Jannik Sinner sucht das Land nach weiteren Identifikationsfiguren. Schach bietet sich an: günstig, inklusiv, international. Und wer weiß – vielleicht schickt Rom 2028 in Los Angeles eine Mannschaft, die endlich mit Medaillen heimkehrt.

Die Uhr tickt. Die Züge stehen bereit. Und 15 Millionen Italiener ziehen bereits den ersten.