Conte feiert elmas mit statue – napoli siegt trotz notstand

Antonio Conte will Eljif Elmas eine Statue bauen lassen. Der 2:1-Sieg gegen Turin war mehr als drei Punkte: ein Bekenntnis zur Tiefe des Kaders und zur Mentalität eines Teams, das trotz acht Ausfällen nicht wankt.

Die krise wird zur visitenkarte

Die Partita war noch nicht gepfiffen, da standen schon wieder zwei Namen auf der Ausfallliste: Lobotka, Motor der ersten Saisonphase, und McTominay, gerade erst rekonvaleszent. Doch wer erwartete, dass Napoli nun endlich stolpert, sah sich eines Besseren belehrt. Billy Gilmour schob sich zwischen die gegnerischen Linien wie ein Zahnarzt zwischen die Backen, Anguissa kehrte nach 103 Tagen zurück und wirkte, als hätte er nur ein Wochenende verschnauft.

„Es sieht aus, als wären sie nie weggewesen“, sagte Conte mit jenem flegelhaften Grinsen, das in Italien schon als Warnsignal gilt. Dahinter steckt eine Wahrheit, die Gegner erschauern lässt: Napoli gewinnt die Scudetto-Kandidatur nicht trotz, sondern wegen der Verletzten. Die Supercoppa wurde ohne Lukaku, Neres und De Bruyne geholt, der Vorsprung auf Como beträgt acht Punkte – bei einem Spiel weniger.

Elmas ist das schweizer taschenmesser

Elmas ist das schweizer taschenmesser

Conte spart nicht mit Superlativen, aber wenn er einen Spieler „überraschend“ nennt, ist das im Klartext ein Schulterklopfen auf höchstem Niveau. Elmas stand zum 18. Mal in Folge in der Startelf, wechselt im Spiel zwischen Box-to-Box und hängender Spitze, versteht sich darauf, Lücken zu erkennen, bevor sie entstehen. „Er versteht Fußball, er kriecht regelrecht in die Aktion hinein“, schwärmt der Coach. Die Statue sei „nicht verhandelbar“, fügt er hinzu – halb Scherz, halb Befehl an die Stadtverwaltung.

Der Mazedonier ist das Sinnbild für einen Kader, der sich selbst neu erfindet. Während andere Klubs nach dem vierten Muskelfaserriss in Selbstmitleid versinken, dreht Napoli an der Schraube der Rollenverteilung. Gilmour wird zum Regisseur, Alisson zum Dribbler, Giovane zum Verteidiger mit Libero-Instinkt. Conte verlangt von jedem Einzelnen, das ungewohnte zu wagen – und belohnt Fehler mit erneutem Vertrauen. Kein Wunder, dass selbst der eingewechselte Kevin De Bruyne nach 20 Minuten schon sieben Ballkontakte in der gegnerischen Hälfte hatte, davon drei in den Sechzehner.

Der meister kommt als jäger

Der meister kommt als jäger

Die Meisterschaft ist noch nicht entschieden, aber der psychologische Vorteil ist verdammt groß. Napoli reist nach Cagliari, empfängt dann Atalanta – und weiß: Selbst wenn wieder zwei Stammspieler zusammenklappen, rückt der nächste Nachwuchsspieler nach, der die Chance seines Lebens nennt. Conte hat aus der Not eine Tugend gemacht, aus der Rotation eine Waffe.

Die Serie A fragt sich schon laut, wer diesen Lauf noch stoppen soll. Die Antwort lautet: wohl nur das Gesetz der großen Zahlen. Doch bis die Statistik einschreitet, könnten die Azzurri schon wieder außer Reichweite sein. Elmas wird weiter sprinten, Conte weiter brüllen – und irgendwann steht vielleicht wirktlich eine Bronzestatue vor dem Stadion. Dann mit dem Spruch: „Wir waren nie weg.“