Rhein-neckar löwen pflanzen sich mit 19-jährigem flügelblitz neu auf

Die Rhein-Neckar Löwen haben sich nicht einmal 48 Stunden Zeit gelassen: David Móré steigt aus, Niclas Mierzwa steigt ein – und mit ihm die Frage, ob Mannheim damit den nächsten Superstar statt nur einen Ersatz kauft.

Der vater lief für deutschland, der sohn schießt jetzt für die löwen

Mierzwa ist 19, aber keine Unbekannte. 130 Tore in laufender Swiss-League-Saison, fünfter Platz der Torjägerliste, dazu 41 Siebenmeter verwandelt – Zahlen, die selbst Bundesliga-Oldies ins Stolpern bringen. Dass er dank seines deutschen Vaters auch das DHB-Trikott hätte tragen können, macht die Geschichte nur pikanter. „Ich bin in der Schweiz groß geworden, fühle mich dort zu Hause“, sagt er, und schiebt nach: „Trotzdem war klar: Der Schritt in die stärkste Liga der Welt kommt irgendwann.“

Uwe Gensheimer, selbst einst Scharfschütze von Weltklasse, schwärmt nach interner Analyse: „Niclas trifft, bevor er den Ball sieht.“ Für Manager-Gewohnheiten klingt das nach PR-Talk, wer Gensheimer aber kennt, weiß: Der Mann meint es so. Er hat Mierzwas Bewegungsabläufe auf Video heruntergebrochen – und statt Laufrhythmuskurven fand er Torinstinkt, der sich nicht trainieren lässt.

Machulla kriegt einen rohdiamanten – mit bereits geschliffenen kanten

Machulla kriegt einen rohdiamanten – mit bereits geschliffenen kanten

Maik Machulla braucht keinen zweiten Móré, er braucht einen ersten Mierzwa. Der Unterschied: Móré war Tempo, Mierzwa ist Tempo plus Variabilität. Beim Blick auf die Daten fällt auf: 63 % seiner Treffer aus dem Rückraum entstehen nach Dribbling, nicht nach Pass – das macht ihn unberechenbar für Gegner-Abwehrreihen, die in der HBL sonst alles gesehen haben.

Pfadi-Trainer Goran Cvetkovic ließ sich in der offiziellen Pressemeldung nur so viel entlocken: „Wir haben ihn nicht verloren, wir haben ihn weitergegeben.“ Ein Satz, der in Winterthur für Stolz sorgt – und in Mannheim für ein leises Kichern, schließlich zahlen die Löwen dafür.

Die Ablöse schwieg der Klub zwar ebenso wie die Vertragslaufzeit, doch Insider sprechen von einer Option bis 2029 plus Leihrückkehr nach Pfadi für ein halbes Jahr, sollte der Knoten in der Bundesliga nicht gleich platzen. Eine Klausel, die beide Seiten absichert – und die Mierzwa unter Druck setzt.

Der zeitplan ist knallhart: 2026/27 oder nie

Der zeitplan ist knallhart: 2026/27 oder nie

Die Löwen bauen um, das ist kein Geheimnis. Mit Nothdurft auf der anderen Seite entsteht ein Flügel-Duo, das zusammen noch keine 45 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel hat – dafür aber die Aura von Unendlichkeit. Machulla will in zwei Jahren nicht nur die Play-offs erreichen, er will zurück in die Final Four-Riege. Dafür braucht er Tore aus dem Nichts. Genau diese Tore liefert Mierzwa seit der U14.

Der Countdown läuft: Noch 18 Monate in der NLA, dann der Sprung in die SAP-Arena. Mierzwa selbst trainiert bereits mit einem Physio-Team, das ihm die Sprungkraft von 34 Zentimetern im Standsprung auf 38 erhöhen will – bei einem Körpergewicht von 86 Kilo. Die Zahlen wirken banal, bis man bedenkt: In der HBL entscheiden zwei Zentimeter über Sieg oder Niederlage.

Am Ende bleibt eine ironische Fußnote: Während der DHB sich seit Jahren mit Talentabwanderung quält, schlägt nun ein deutscher Passinhaber in der Schweiz Wurzel – und kehrt als Import zurück. Die Löwen lachen, die Eidgenossen applaudieren, und Mierzwa? Der schaut nach vorn. „Ich will Tore schießen, nicht reden“, sagt er. Genau das haben die Löwen bestellt.