Skispringen: frauen brechen barrieren – und sprechen offen über menstruation

Skispringen: frauen brechen barrieren – und sprechen offen über menstruation

Es ist ein historischer Moment: Bei den Olympischen Spielen dürfen Frauen zum ersten Mal von der Großschanze springen. Ein wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung im Sport. Doch hinter der sportlichenLeistungverbergen sich auch Herausforderungen, über die die Athletinnen offen sprechen – eine Realität, die sich von der ihrer männlichen Kollegen unterscheidet.

Der einfluss des menstruationszyklus

Für viele Springerinnen ist der Menstruationszyklus mehr als nur eine biologische Gegebenheit. Er beeinflusst Leistung, Gefühl und Körperkontrolle erheblich. Agnes Reisch (26) erfuhr dies am eigenen Leib, als sie beim Mixed-Teamwettbewerb knapp eine Medaille verpasste. Sie verzichtete bewusst auf ihren letzten Trainingssprung.

Agnes reisch: ehrliche worte über ihre angst

Agnes reisch: ehrliche worte über ihre angst

„Ich habe heute meine Tage bekommen. Dann bin ich immer superängstlich“, erklärte Reisch der BILD. „Als private Agnes Reisch würde ich mir selbst nicht empfehlen, Extremsport zu machen. Skispringen ist mein Beruf, deswegen gehört das dazu, dass ich springe. Aber der dritte Sprung hätte nicht wirklich Sinn gemacht.“ Sie hört auf ihren Körper und berücksichtigt die mit dem Zyklus verbundenen Schmerzen. Auch Stress kann die Beschwerden verstärken, was bei Olympischen Spielen natürlich der Fall ist.

Unterstützung im team

Reischs Entscheidung, auf einen weiteren Sprung zu verzichten, wurde von ihren Teamkolleginnen respektiert und verstanden. Zimmernachbarin Selina Freitag (24) lobte ihre Ehrlichkeit: „Ich finde es cool von Agnes, zu sagen: ‚Meine Gesundheit und mein Körper gehen vor.' Bis zum Wettkampf wird die Periode weniger. Dann kann sie auch wieder voll angreifen.'“

Offener austausch mit trainern

Was früher tabuisiert wurde, ist im deutschen Skispring-Team längst ein offenes Thema – auch im Gespräch mit den Trainern. Katharina Schmid (29), die Fahnenträgerin, bestätigte: „Wir sprechen da ganz offen darüber. Das ist auch wichtig für die Trainer, um einzuschätzen, wie wir damit umgehen und mit welchen Leistungen sie rechnen können.“

Individuelle erfahrungen

Die Auswirkungen des Menstruationszyklus sind von Athletin zu Athletin unterschiedlich. Schmid beschrieb, dass ihr manchmal das „Feingefühl“ fehle, was das Springen erschwere. Freitag hingegen macht überraschenderweise die Erfahrung, dass sich ihr Sprunggefühl während der Periode sogar verbessern kann. Die schwierigste Phase liegt für sie davor.

Ein tabu bricht

Die Offenheit der deutschen Skispringerinnen ist nicht alleinstehend. Auch Dorothea Wierer, eine Biathlon-Ikone aus Italien, sprach öffentlich über ihre Periode und erklärte damit, warum sie bei der Einzelentscheidung Gold verpasste. Den Anfang machte in Deutschland Steffi Graf, die nach ihrer Finalniederlage bei den French Open 1989 erstmals öffentlich über ihre Menstruation sprach.

Die zukunft des sports

Der offene Umgang mit dem Thema Menstruation im Sport ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Verständnis und Respekt für die Bedürfnisse von Sportlerinnen. Er ermöglicht es, Trainingspläne und Wettkampfstrategien besser an den individuellen Bedürfnissen anzupassen und somit die Leistungsfähigkeit zu optimieren.