Sinner schreibt kimi, dann jagt er federers phantom
Um 7:03 Uhr Ortszeit in Indian Wells tippt Jannik Sinner noch im Hotelbett die Nachricht an Kimi Antonelli. 17 Minuten später postet er ein Foto von sich mit der Trophäe – und verschickt damit ein Signal an die ATP-Welt: Das Sunshine-Double von 2017 will er jetzt selbst erben.
0:4 Im tiebreak – und dann sieben punkte, die geschichte schreiben
Medwedew führte 4:0 im zweiten Tiebreak. Sinner antwortet mit einem Returnwinner, einem verdeckten Inside-In und einem Passierball, den selbst der Russe mit einem halben Lächeln quittiert. 7:5, 7:6(5) – fertig ist das erste Masters-1000-Turnier auf US-Hartplatz, das noch in seiner Vita fehlte. 25 Titel, kein Satzverlust in den letzten beiden 1000ern – Rekord.
Die Wüste war trocken, die Luft heiß, aber nicht schwül – perfekt für einen Spieler, der seine Muskulatur im Winter um zwei Kilo zugelegt hat, um eben diese Bedingungen zu dominieren. „Ich bin eine Woche früher angekommen, habe bei 38 Grad Trainingsblöcke à vier Stunden absolviert“, sagt er im Pressezelt, während sich die Sonne auf die Coachella Valley senkt. „Wenn du so einen Rhythmus hast, willst du ihn nicht mehr abgeben.“

Miami calling – und der plan, alcaraz zu jagen
2.150 Punkte trennen Sinner vom Spitzenreiter. In Miami, dem letzten Hartplatz-Event vor der Erdbeer-Saison, könnte der Abstand auf unter 1.000 schrumpfen. „Ich nehme zwei Tage Auszeit, schalte das Telefon auf Flugmodus und schaue mir an, wie Kimi in Melbourne überholt“, sagt er mit einem Grinsen, das zwischen Kind und Killer schwankt. Dann wird wieder gedreht: mehr Sprintintervalle, mehr Med-Ball-Würfe, mehr Videoanalyse von Alcaraz’ Vorhand-Return auf dem Center Court von Key Biscayne.
2026 ist erst drei Monate alt, Sinner aber schon auf Titeljagd Nummer 26. „Wir arbeiten nicht für Trophäen, wir arbeiten für Millisekunden“, sagt Fitnesstrainer Andrea Volpini. Die Folge: ein Aufschlag, der in Indian Wells im Schnitt 215 km/h markierte – 7 km/h schneller als bei den ATP Finals im November.

Federers phantom und der tag, an dem italien den tennis-weltfrieden erklärte
Roger Federer war zuletzt 2017 in der Lage, Indian Wells und Miami hintereinander zu gewinnen. Seitdem wartet die Tour auf einen Nachfolger. Sinner spielt mit dem Gedanken, aber er redet nicht darüber. Stattdessen schickt er seiner Mutter ein Foto vom Sieger-Podium mit der Aufschrift: „Nächste Haltestelle: Süd-Florida.“
Die italienische Presse feiert schon jetzt den „Doppelsieg der Superstars“: Antonelli in der Formel 1, Sinner im Tennis. Die Wahrheit: Beide haben denselben Mentalcoach, beide trainieren im gleinen Leistungszentrum in Monte Carlo. „Wir teilen uns die Kältekammer“, verrät Sinner. „Kimi nimmt links, ich rechts. Dazwischen steht ein Espresso-Automat – unser kleines Italien.“
In zwei Tagen fliegt die Chartermaschine nach Miami. An Bord: ein Satz frischer Saiten, ein Laptop volle Medwedew-Zerlegungen und ein Handy mit einer neuen WhatsApp-Gruppe namens „Sunshine-Double 2026“. Die ersten beiden Nachrichten sind bereits versendet – von Kimi und von Jannik. Die dritte wird folgen, sobald die nächste Trophäe in den Händen liegt.
