Handball-regionallien spielen sich heiß: aufstiegsdramen und schieflagen in jeder zone
- Der norden: hamburg-barmbek trifft auf seine angstgegner
- Niedersachsen-bremen: varel und fredenbeck im tandem
- Westfalen und nordrhein: minden ii sicher, rest macht die schieflage mit
- Südwest und hessen: späth-heimat klopft an die tür
- Baden-württemberg und bayern: teningen dominiert, erlangen fehlt
- Was das system bringt – und was nicht
Die Zielgerade der Regionalliga-Saison wirft bereits Schatten voraus – und sie wirft sie ungleich. Während Grün-Weiß Werder in der Ostsee-Spree längst durchs Ziel gebrettert ist, zittert in Nord bis zum letzten Schlag THW Kiel II mit. Die Meisterfrage ist in sieben von zehn Staffeln schon gelöst, doch die Tickets nach oben sind rar: Nur wer Erster wird – oder in Niedersachsen-Bremen und Baden-Württemberg Zweiter –, darf in die 3. Liga. Der Rest schaut in die Röhre.
Der norden: hamburg-barmbek trifft auf seine angstgegner
36:6 Punkte stehen bei der HG Hamburg-Barmbek, doch die 34 Treffer von THW Kiel II und MTV Lübeck lauern mit Messer im Mund. Am 3. Mai gastiert die Spitzenmannschaft in der Lübecker Dreifeldhalle, am letzten Spieltag empfängt sie den Nachwuchs des Rekordmeisters. Zwei Niederlagen würden den Meister noch vom Thron stoßen – ein Szenario, das seit 2018 kein Team mehr in dieser Staffel überlebte.
Lübecks Trainer Stefan Wenzel schickt schon jetzt Botschaften: „Wir haben nichts zu verlieren, außer der eigenen Haut.“ Das 26:25 im Hinspiel gibt seinem Team Rückenwind. Für Hamburg-Barmbek wird es zur Mentalitätsfrage: Entweder sie bändigen den Druck oder gehen als große Versager in die Sommerpause.

Niedersachsen-bremen: varel und fredenbeck im tandem
Die HSG Varel spielt souverän, doch der VfL Fredenbeck schnüffelt dicht. Ein Punkt trennt beide, und weil hier auch der Vizemeister aufsteigt, ist die Luft noch dick. MTV Großenheidorn und TSV Burgdorf II sind abgeschlagen, aber nicht lethargisch: Großenheidorns Kreisläufer Lasse Knoop droht mit dem Spitzenspiel: „Wir wollen das Duo oben zumindest ins Zittern bringen.“

Westfalen und nordrhein: minden ii sicher, rest macht die schieflage mit
Die zweite Garde von GWD Minden hat 40:8 Punkte und damit die Westfalen-Staffel dominiert. Dahin zieht nur noch SF Loxten mit, die restlichen zwölf Teams wirken wie Staffelfüller. Anders in Nordrhein: Nach dem Rückzug von HG Remscheid kassierte die Liga eine Schieflage, die Interaktiv Handball aus Düsseldorf/Ratingen nutzt. 40:4 Punkte, Meister – und niemand kann sie mehr stochern.
Südwest und hessen: späth-heimat klopft an die tür
TV Homburg führt klar, doch HV Vallendar schläft nicht. Der TuS KL-Dansenberg, Ausbildungsclub von Nationalkeeper David Späth, rangiert auf Platz drei. Die Torhüter-Uni will den Coup: „Wir wollen zeigen, dass auch ‚Kleine‘ den Sprung schaffen können“, sagt Abteilungsleiter Markus Klar. In Hessen hat die TSG Münster mit 42:4 Punkten die Meisterschale schon durchgeboxt.
Baden-württemberg und bayern: teningen dominiert, erlangen fehlt
SG Köndringen/Teningen marschiert mit 52:2 Punkten – das sind 2,04 Zähler pro Partie, ein Wert, den zuletzt 2017 die Bundesliga-Reserve von Rhein-Neckar Löwen erreichte. Die Verfolgung kommt von TVB Stuttgart II und TSB Schwäbisch-Gmünd, wo einst Kai Häfner seine ersten Dribblings zeigte. Die Lücke: vier Siege. Realistisch? Eher nicht.
In Bayern fehlt der nominelle Topfavorit: HC Erlangen III stieg kurzfristig aus, weil der Lizenzspieler-Pool für 3. Liga und Jugend-Bundesliga nicht reichte. Profitiert hat Erlangen-Bruck, das mit 39:3 Punkten die Hintertür zur 3. Liga offenstehen hat. HaSpo Bayreuth kommt nicht mehr ran – 6 Punkte Rückstand plus schlechteres Torverhältnis.
Was das system bringt – und was nicht
Die Drittliga-Tür ist ein Spalt. 60 Teams kämpfen, nur zehn Aufsteiger gibt’s – ein Verhältnis von 6:1. Das schürt Risikokultur: schwere Jugend, kurze Bank, hohe Kosten. Dass Interaktiv Handball oder NHV Concordia Delitzsch frühzeitig durchbrennen, ist keine Stärke des Systems, sondern ein Symptom der Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
Die letzten drei Spieltage kochen die Emotionen hoch. Wer jetzt zittert, hat die Saison richtig gemacht. Wer schon feiert, darf sich trotzdem fragen: Reicht der Sprung, oder platzt die Blase in der 3. Liga? Die Antwort kommt im August – und sie ist oft ein kalter Schluck.
