29:29 In leipzig: zwei teams, ein punkt, null plan
Der Ball rollte noch, da wussten alle: Das reicht nicht. 60 Minuten Abstiegsdrama, zwei Führungswechsel, ein 29:29 – und am Ende standen zwei Trainer da, die sich mit dem Remis so gar nicht anfreunden konnten. Frank Carstens atmete tief durch, Misha Kaufmann zuckte mit den Schultern. Leipzig fehlt der Sieg, Stuttgart der Mut.
Leipzig zittert sich zu einem punkt, der wie niederlage schmeckt
Die Geschichte hatte alles, nur keinen Gewinner. SC DHfK Leipzig, Tabellenletzter, jagt jeden Ball wie ein Geländewagen durch den Dschungel. Nach 18 Minuten steht es 14:10 – die Arena glaubt an den Befreiungsschlag. Doch TVB Stuttgart schüttelt sich, trifft drei Mal in Serie, weil Leipzigs Rückraum plötzlich zittert. Halbzeit 17:17, Stimmung wie auf dem Präsentierteller.
Nach der Pause drehen die Schwaben auf. Lenny Rubin erzielt das 23:20, Kaufmanns Box schreit „Jetzt!“. Leipzig wirkt platt, doch Tomas Mrkva stemmt sich mit drei Paraden gegen das K.o. Der Tscheche wird zum Architekten der Aufholjagd, Carstens wechselt sich frei. Fünf Minuten vor Schluss 28:27 – erneut Führung Sachsen. Dann vergibt Stuttgart zwei freie Würfe, Leipzigs letzter Angriff landet in Semper-Hand – Pfiff. 29:29. Die Halle verstummt, als hätte jemand den Stecker gezogen.
Carstens sucht Worte, findet nur ein halbes Lob: „In der Besetzung ein Riesenkompliment.“ Die Botschaft steckt zwischen den Zeilen: Wir haben nicht genug Profis. Mrkva redet von „Fight“, meint aber: Wir haben zwei Punkte verschenkt. Die Frage, wofür der Punkt reicht, beantwortet die Tabelle gnadenlos: Leipzig bleibt Letzter, drei Zähler hinter dem Relegationsplatz, zehn Spiele Zeit – und die Gegner wittern Blut.

Stuttgart feiert sich für ein unentschieden – das ist bitter genug
Misha Kaufmann spricht von „glücklichem Punkt“, doch seine Stimme klingt, als hätte er einen Stein im Hals. „Wir hätten das Spiel dreimal killen können“, sagt er und meint die Minuten 45 bis 55, als TVB drei Gegenstöße in Folge verpatzte. Lenny Rubin gesteht: „Auswärts ist noch nicht unsere Stärke.“ Die Zahlen sprechen eine deutlichere Sprache: nur zwei Siege auf fremdem Parkett, dafür schon acht Pleiten. Wer so in die Play-downs rutscht, muss auch im eigenen Wohnzimmer zittern.
Die Saison ist kein Marathon mehr, sie ist ein Zehn-Runden-Kampf, in dem jeder Punkt zählt wie ein Atemzug. Leipzig atmet schwer, Stuttgart hustelt. Beide Teams gehen mit einem Lächeln, das schnell verrutscht. Die Fans wissen: Das nächste Mal gewinnt nur einer – und der andere fällt.
